
|
31.12.2005
Das passt: Genetik, Gesundheit, Management … dann klappt es auch unter schwierigeren Bedingungen "Mit einem neuen Bestand 23 Ferkel zu schaffen, wäre schon sehr gut," dämpfte der erfahrene Betriebsleiter Eberhard Tschiersch die Erwartungen. Als es dann 24 abgesetzte Ferkel wurden, urteilte er, nun sei aber wohl das Mögliche erreicht. Inzwischen sind es im Jahresrückblick 25,0 und die letzte Halbjahresauswertung weist 25,4 abgesetzte Ferkel je Sau und Jahr aus. Aber der Reihe nach … Seit gut fünf Jahren engagiert sich Familie Meyerholz aus Achim bei Bremen nun schon im brandenburgischen Rhinow. War es bis Ende 2003 noch Meyerholz senior, so ist es seit 2004 Hendrik Meyerholz, der die 400er-Sauenanlage gekauft hat. Drei Landwirte, unter ihnen Joost Meyerholz, und ein Viehhändler hatten 2000 die Anlage von der Agrargenossenschaft Rhinow gepachtet und mit dem damaligen Personal betrieben. "Aber wenn es sozusagen vier Chefs gibt, die auch noch 350 km weit entfernt sind, kannst du keinen Sauenbetrieb effektiv bewirtschaften", stellt Meyerholz junior heute im Rückblick fest. So sagten sich die drei Betreiber dann Mitte 2003 "weg mit Schaden". Wenn es für Hendrik Meyerholz zu diesem Zeitpunkt absehbar gewesen wäre, dass er – wie geplant mit einem Schulfreund – einen Sauenbetrieb neu "auf die grüne Wiese" bauen kann, dann wär's dann wohl auch in Rhinow endgültig zu Ende gewesen. Aber die Schwierigkeiten, die entsprechenden Genehmigungen zu erlangen, führten letztendlich zum Kauf der Anlage in Rhinow mit dem Ziel, eine Repopulation durchzuführen und den Betrieb selbst zu bewirtschaften. Repopulation mit gesunder Genetik
Im Zuge der Planungen der Repopulation kam es Ende 2003 zu ersten Kontakten mit der PIC Deutschland, denn aus den bisherigen Erfahrungen war Meyerholz klar, dass er den neuen Bestand gesund aufbauen muss. Und für einen hervorragenden Gesundheitsstatus ist die PIC hinlänglich bekannt. Unter Einbindung des betreuenden Tierarztes konnten bei zwei Schlachthofchecks, bei denen negativ selektierte Jungsauen aus dem vorgesehenen Lieferbetrieb Osterwohle begutachtet wurden, die entsprechenden Nachweise erbracht werden. Ein abschließender Besuch im Lieferbetrieb rundete das positive Bild ab. Den Start erleichtert hat sicherlich, dass die Gebäude während des Geschäftsüberganges auf die neue Meyerholz GbR nahezu ein ganzes Jahr leer standen. Während dieser Zeit machten sich die Mitarbeiter daran, die Ställe grundlegend zu säubern. Erst mit dem Hochdruckreiniger, dann mit Natronlauge und noch mal mit dem Hochdruckreiniger, abschließend erfolgte eine Desinfektion mit einem Mittel basierend auf Wasserstoffsuperoxid und Peressigsäure. Die Futtersilos wurden "ausgekocht". So war für den Einzug der ersten 40 PRRS- und EP-negativen PIC-Jungsauen aus Osterwohle sowie Piétrain-Eber aus dem Genetischen Nukleus Cazals in Frankreich alles bereitet. Hervorragendes Management und Engagement der Mitarbeiter
Doch allein mit der gesunden Genetik ist es nicht getan. Das weiß auch der 27-jährige Hendrik Meyerholz. Er schwört auf seine engagierten Mitarbeiter: "Für die lege ich meine Hand ins Feuer, auf die kann ich mich voll und ganz verlassen!" Darauf baut er, ansonsten könnte er es sich nicht erlauben, nur ca. zehn Tage im Monat vor Ort zu sein. So ist er auch in den Ackerbau- und Schweinemast-Betrieb mit 120 ha und 1.300 Mastplätzen, die derzeit um 900 Plätze aufgestockt werden, auf dem heimatlichen Standort in Achim eingebunden. Er selbst kümmert sich in Rhinow um vieles, was außerhalb der täglichen Routine liegt. Gerade bauliche Verbesserungen nimmt er gern selbst in Angriff und davon gibt es einiges in der nun doch älteren Anlage. Meyerholz hat vor dem Start einige Investitionen durchgeführt, eine vollständige "Entkernung" sollte es aber nicht werden, so dass mit knapp 900 Euro je Stallplatz noch nicht mal ein Drittel von der für einen Neubau benötigten Investitionssumme eingesetzt wurde. Der größte Ausgabenpunkt war dabei der neue Güllebehälter inklusive Abdeckung, hinzu kamen eine zweite Futterkette und eine neue Lüftung im Flatdeck, der Umbau der Wasserversorgung in der Abferkelung sowie ein Hoftrac und ein Futterwagen für das Eroscenter und den NT-Bereich. An diesen beiden letztgenannten Arbeitsgeräten lässt sich schon erkennen, dass in Rhinow noch vieles per Hand erledigt wird. Der Hoftrac muss sämtliche Entmistungsarbeiten erledigen. Von den 1.400 Flatdeckplätzen sind 400 in Hütten ausgelagert und die 260 Plätze im Wartestall sind ebenfalls mit Stroh eingestreut. Der Futterwagen mit Förderschnecke ist eine individuelle Anfertigung aus Holland, mit diesem werden die Sauen im Eroscenter und im Wartebereich gefüttert. So haben die zwei Vollzeitkräfte und die eine Halbtagskraft (der Hauptverantwortliche vor Ort Eberhard Tschiersch sowie die Angestellten Wolfgang Rietz und dessen Ehefrau Silvia) alle Hände voll zu tun, zumal auch die Altgebäude nicht immer eine optimale Arbeitswirtschaftlichkeit zulassen. Ein Beispiel ist der scherzhaft genannte "Renate-Künast-Stall", denn die ehemalige Verbraucherschutzministerin hätte sicherlich ihre helle Freude an dieser Form der Aufstallung gehabt: Die Sau läuft frei, die Ferkel haben ihr "ummauertes Häuschen" und das Ganze auf Stroh. Straffe Organisation
Durch die Beratung des PIC-Produktionsberater Volkmar Nöckel glückte der Start in eine gut organisierte Ferkelproduktion auf Anhieb. Auf dieses Serviceangebot der PIC hatte Meyerholz besonderen Wert gelegt, da er – von Haus aus Mäster – sichergehen wollte, von Beginn an alles richtig zu machen. Kleine Kniffe helfen die Zahl der abgesetzten Ferkel zu sichern. So werden z. B. in den ersten drei Tagen nach der Abferkelung die Ferkel während der Fütterung der Sauen im Ferkelnest eingesperrt, um so die Erdrückungsverluste zu verringern. Um der hohen Ferkelzahl "Herr zu werden", hat Hendrik Meyerholz zwei Tränkeautomaten angeschafft, an die ältere, gut entwickelte Ferkel (von Jungsauen oder Sauen im zweiten oder dritten Wurf) gesetzt werden. An die dann frei gewordenen Jungsauen kommen die schwächsten Ferkel aus der Abferkelgruppe. Ansonsten passiert nicht viel im Abferkelstall: Außer der üblichen Wurfversorgung mit Nabeldesinfektion, Schwanzkupieren und verhaltenem Schleifen der Eckzähne erhalten die Ferkel lediglich ca. 1 cm³ Dufamox, ein Amoxycillinpräparat, zur Vorbeugung von Infektionen, am dritten Lebenstag die übliche Eiseninjektion sowie eine Mycoplasmenimpfung in der ersten Lebenswoche bei der Kastration. Die Belegungen werden zu fast 100 % per KB durchgeführt, zum Einsatz kommt Piétrain-Sperma NP. Die Trächtigkeitskontrolle (28. und 42. Tag nach Belegung) per Scanner wird wie seit Jahren weiterhin durch den VzF-Mitarbeiter Dr. Werner Mösch durchgeführt, der ebenfalls die Leistungsdaten für den Sauenplaner erfasst. Nach zweimalig positivem Ergebnis erfolgt die Umstallung in den Wartestall. Durch die Organisation im 2-Wochenrhythmus können alle vierzehn Tage die gesamten 350 bis 400 Mastferkel nach Achim in Niedersachsen geliefert werden. Ein Drittel dieser Ferkel können Meyerholz in ihrem Maststall unterbringen, die übrigen gehen in Mastställe in der Nachbarschaft. Die 26 Ferkel im Blick …
Nach der überzeugenden Entwicklung der Ferkelzahlen haben sich Hendrik Meyerholz und seine Mitarbeiter die 26 Ferkel nicht als Ziel festgeschrieben, aber ihre klare Feststellung ist auch: "Nach oben ist alles möglich! Im Moment arbeiten wir daran, unsere Arbeitseffektivität zu verbessern und dadurch auch die Produktionskosten zu verringern."
|
PIC-Endstufen-Eber: PIC-Piétrain NN/NP/PP, PIC-Eber Chronos 337, PIC-Eber Vigor 380 |