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01.07.2005
Erfolgreiche Teamarbeit

Gute Basis für die Zusammenarbeit: Georg und Petra Biedemann mit PIC-Berater Johann Hindriks (v.r.n.l.).

Gute Basis für die Zusammenarbeit: Georg und Petra Biedemann mit PIC-Berater Johann Hindriks (v.r.n.l.).

In Kevelaer-Winnekendonk bewirtschaften Petra und Georg Biedemann einen Ferkelerzeugerbetrieb mit 460 Sauen. Schritt für Schritt haben sie den elterlichen Betrieb, den sie vor 20 Jahren mit 55 Herdbuchsauen übernommen haben, in diese Größenordnung entwickelt. Weil Fläche in dem niederrheinischen Betrieb immer ein knapper Faktor war, hat Georg Biedemann andere Wege gesucht. Schon seit zehn Jahren arbeitet er in Kooperation mit einem Berufskollegen zusammen, heute betreiben die beiden ihre Ferkelaufzucht für insgesamt 800 Sauen in einer GbR und eine Mast-GbR mit 400 Plätzen.

Umstellung auf PIC-Sauen
In Teamarbeit managt das Ehepaar Biedemann seinen Betrieb, wobei der Abferkelbereich und die Büroarbeiten im Verantwortungsbereich von Petra Biedemann liegen. Deckstall, Wartebereich und Flatdeck einschließlich der Futterlinie werden von Georg Biedemann betreut. Zusätzlich arbeiten zwei Auszubildende sowie eine Aushilfskraft in dem Familienbetrieb mit. Die Produktionsleistungen des letzten Wirtschaftsjahres zeigen, dass es in dem Familienbetrieb rund läuft: Mit 25,09 abgesetzten Ferkeln/Sau und Jahr und 11,36 lebend geborenen Ferkeln je Wurf zählt Biedemann im Ferkelerzeugerring Rheinland zu den leistungsstärksten Betrieben.

Noch stehen Sauen drei verschiedener genetischer Herkünfte in den Ställen, seit anderthalb Jahren jedoch setzt der 41jährige Landwirt bei der Remontierung ganz auf PIC-Jungsauen. Mittlerweile stellen die „Camborough 23“ etwa die Hälfte seines Sauenbestandes und 150 Würfe der Jungsauen sind bereits ausgewertet. Mit dem Ergebnis von 11,6 lebend geborenen Ferkeln zeigt sich der Ferkelerzeuger zufrieden und nennt als Produktionsziel für die nahe Zukunft die Zahl von 27 abgesetzten Ferkeln/Sau und Jahr. „Das ist mit dieser genetischen Basis und gesunden leistungsfähigen Jungsauen zu machen“, ist Biedemann überzeugt. Die Jungsauen für den niederrheinischen Betrieb kommen aus der Osterwohler Schweinezucht, einem PIC-Vermehrungsbetrieb in Sachsen-Anhalt und bringen einen hohen Gesundheitsstatus mit. Sie haben die Standardimpfungen hinter sich und sind nachweislich frei von PRRS und EP, wie PIC-Berater Johann Hindriks erläutert.

Kauf ab Feld und umgehende Säurekonservierung: Georg Biedemann kann in seiner Getreidehalle die Futtermengen für ein Jahr einlagern.

Kauf ab Feld und umgehende Säurekonservierung: Georg Biedemann kann in seiner Getreidehalle die Futtermengen für ein Jahr einlagern.

Eigene Mahl- und Mischanlage
Oft sind es die kleinen „betrieblichen Schrauben“, an denen gedreht wird, um Höchstleistungen zu erreichen. Im Betrieb Biedemann gehört sicher die Futtergrundlage dazu, in die viel Sorgfalt gesteckt wird. Seitdem im Frühjahr 2002 eine Getreidelagerhalle gebaut und zwei Jahre später in eine eigene Mahl- und Mischanlage investiert wurde, werden sämtliche Futterrationen für alle Stallbereiche im Betrieb selbst gemischt. Getreide und Körnermais werden nach der Ernte ab Feld gekauft und mit Säure eingelagert. Um auf der sicheren Seite zu sein, rät Biedemann, beim Einlagern nicht an der Säuremenge zu sparen – 8 bis 9 l/t Erntegut sollten es sein. „Die Säure verbessert den Futterwert und hat noch eine diätetische Wirkung. Aber viel wichtiger ist, dass Kornkäfer und Pilze in dem säurekonservierten Getreide keine Chance haben“, berichtet der Landwirt.

Eine effektive Reinigung ist der vollautomatischen Mahl- und Mischanlage vorgeschaltet, das fertig gemischte Futter wird per Gebläse in die einzelnen Stallbereiche gefördert. Auch das Futter für den Sauenbetrieb des Kooperationspartners wird hier gemischt, die Anlage liefert so jährlich rund 1500 t. Die Vorteile der Eigenmischung sieht Georg Biedemann eindeutig in der Qualität und in der Sicherheit des Futters und weniger bei Kosteneinsparungen.

Ständig frisches und stets gleichmäßiges Futter zu haben, das wissen auch die Sauen und Ferkel zu schätzen. „Die laktierenden Sauen fressen jetzt problemlos durch und das zeigt sich auch in der Milchleistung“, hat Petra Biedemann nach der Umstellung vom Fertigfutter auf die eigenen Futtermischungen festgestellt. Eine verhaltene Futteraufnahme infolge von Futterumstellung sei gerade im Abferkelstall eine Katastrophe, meint die erfahrene Ferkelerzeugerin. Das Absetzgewicht der Ferkel liege jetzt um rund 500 g höher als vorher, ebenso gehören Coli-Durchfälle und Probleme mit Ohrenbeißen bei den Ferkeln jetzt der Vergangenheit an.

Sauengesundheit stabilisiert sich
Ebenso profitiert die Sauenfruchtbarkeit von der Futterqualität. Weist die Auswertung des letzten abgeschlossenen Wirtschaftsjahres eine Umrauscherquote von 7,24 % aus, ist sie im laufenden Kalenderjahr auf 3 % zurückgegangen. Im Deckzentrum setzt Biedemann ein mit 14 MJ hochenergiereiches Flushingfutter ein, das mit Bierhefe, Sojaöl und einer Vitaminmischung angereichert ist. Auch sein Besamungsmanagement trägt zu der hohen Konzeptionsrate bei. „Das Kunststück bei der Besamung sind Sorgfalt, Ruhe und Geduld bei der Arbeit“, hält er fest. Bei der GFS-Station Rees sind für seinen Betrieb sowie für den Betrieb des Kooperationspartners drei passende Eber aus dem Topgenetik-Programm ausgewählt und eine Dauerbestellung aufgegeben. Der Betrieb Biedemann arbeitet im Wochenrhythmus, Belegungstage sind Montags, Dienstags und Mittwochs, wobei 80 % der Sauen zwei mal belegt werden und jeweils 10 % ein bzw. drei Tuben erhalten.

Ruhe und Geduld gehören auch für Petra Biedemann bei ihrer Arbeit im Abferkelstall unbedingt dazu. Sie legt Wert darauf, möglichst wenig mit Hormonbehandlungen in den natürlichen Ablauf rund um die Geburt einzugreifen. Seit gut zwei Jahren hat die Bäuerin gute Erfahrungen mit homöopathischen Mitteln gemacht. Dabei setzt sie die in der Verwendung einfacheren Komplexmittel und keine Einzelpräparate ein. „Die haben den Vorteil, dass auch die Lehrlinge den Umgang mit der Homöopathie schneller lernen“, meint Petra Biedemann.

Neben dem Vorteil, dass nach Eingabe der homöopathischen Mittel keine Wartezeiten zu beachten sind, zählt für sie etwas anderes entscheidend: “Wir müssen die Sauen nicht mit der Nadel traktieren und das allein sorgt dafür, dass sie deutlich friedlicher als früher sind.“ Und nicht zuletzt sprechen auch die Kosten für diesen sanften Weg der Behandlung: Die Tierarztkosten im Betrieb Biedemann liegen bei 75 Euro/Sau/Jahr, darin enthalten sind Impfungen durch den Tierarzt wie auch die Kosten für Desinfektionsmittel. Im übrigen kommen hier nicht nur kranke Sauen in den Genuss einer sanften Behandlung: Im gesamten Betrieb ist es striktes Tabu, eine Sau zu schlagen.

Wachstum durch Kooperation: Der Ferkelaufzuchtstall wird von der Schmitz/Biedemann GbR betrieben.

Wachstum durch Kooperation: Der Ferkelaufzuchtstall wird von der Schmitz/Biedemann GbR betrieben.

Ferkelabsatz in feste Partnerschaften
Die Ferkelaufzucht erfolgt in Kooperation mit dem Berufskollegen Johannes Schmitz. Dazu hat die Schmitz/Biedemann GbR im Frühjahr 2000 am Betrieb Biedemann einen Ferkelaufzuchtstall mit 2635 Plätzen errichtet, der von Georg Biedemann betreut wird. Neben der Aufzucht von jährlich rund 18 000 bis 20 000 Ferkeln betreiben die beiden Partner auch eine Mast mit 400 Plätzen für die Restferkel gemeinsam als GbR, diese beiden Kooperationsbereiche werden gewerblich geführt. Für den Absatz der Ferkel bestehen feste Partnerschaften, rund 90 % der Ferkel gehen an zwei Mäster. Dabei achtet der Ferkelerzeuger beim Verkauf sorgfältig auf die Qualität der Partien, es wird scharf sortiert und die nicht verkaufsfähigen Ferkel gehen in den Maststall der Kooperation. „Wir bekommen einen guten Ferkelpreis, dafür müssen wir dem Mäster auch Qualität liefern“, ist Biedemanns Devise. Und die Abnehmer wissen die Qualität anscheinend auch zu schätzen, denn die Lieferbeziehungen bestehen schon seit Jahren.

Produktionsdaten Betrieb Biedemann
WJ 04/05


leb.geb. Ferkel/Wurf 11,36
abges. Ferkel/Wurf 10,1
Würfe/Sau/Jahr 2,49
abges.Ferkel/Sau/Jahr 25,09
Saugferkelverluste 11,16
Remontierung 43,43
Umrauscher 7,24
Abferkelquote 84,61



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