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31.12.2006
Fruchtbar wie nie – Die neue PIC-Sauen-Generation ist da !

Die Verbesserung der Fruchtbarkeitsleistung hat in den letzten Jahren einen zunehmenden Stellenwert für die Wirtschaftlichkeit in der Ferkelproduktion eingenommen. Die Sauen-Fruchtbarkeit, ein Merkmalskomplex mit leider niedriger Erblichkeit, setzt sich aus einer Vielzahl verschiedener Komponenten wie Erstbelegealter, Fertilität, Wurfgröße, Ferkelüberlebensrate, Zwischenwurfzeit, Langlebigkeit und Lebensleistung zusammen. In der Schweinezucht nutzt man grundsätzlich die Selektion innerhalb von Zuchtlinien und die Kombination von Zuchtlinien (Kreuzung), um die Fruchtbarkeitsleistung zu erhöhen.

Die kontinuierliche Verbesserung gerade dieses Merkmals hat hingegen in der 43-jährigen Geschichte der PIC eine lange und erfolgreiche Tradition und hat PIC nicht zuletzt aufgrund dessen zum globalen Marktführer gemacht. In den 60er Jahren standen statistische Verfahren und effiziente Selektionsmethoden für die Fruchtbarkeit nur eingeschränkt zur Verfügung, so dass PIC zunächst ausgesuchte fruchtbare Landrasse und Large-White-Linien miteinander unter Nutzung von Heterosis-Effekten zu produktiven Camborough-Sauen kombinierte.

Anfang der 80er Jahre führte die PIC eine Selektion auf Superfruchtbarkeit, eine so genannte Hyperprolific-Selektion durch und selektierte aus Nukleus- und Vermehrungsherden in England die 1,7 % fruchtbarsten Large-White- und Landrasse -Sauen anhand der Leistung in 4 Würfen. Die mittlere Wurfleistung lag bereits damals bei 32,7 lebend geborenen Ferkeln/Sau/Jahr. Trotz des hohen Leistungsniveaus normaler PIC-Hybridsauen waren „Prolific“-Camborough-Hybridsauen aus der Kreuzung beider Linien in 4 Würfen um 0,55, 0,84, 0,73 und 0,96 lebend geborene Ferkel/Wurf überlegen. Von 1985 bis 1988 wurde das Verfahren von PIC auch in Deutschland mit noch besseren Ergebnissen genutzt, um fruchtbare Linien aufzubauen.

Heute bearbeitet PIC im Wesentlichen 4 Mutterlinien (Landrasse, Large White und 2 weisse Duroc-Linien). Eine neue Reinzucht-Linie befindet sich derzeit in der Entwicklung und wird 2008 eingeführt.

Die Einführung der BLUP-Zuchtwertschätzung in die PIC-Zucht Anfang der 90er Jahre stellt einen weiteren Meilenstein in der stetigen Verbesserung der Fruchtbarkeit dar. PIC war das erste und lange Zeit einzige Unternehmen, das dieses Verfahren mit großen Vorteilen für niedrig erbliche Merkmale konsequent in der Fruchtbarkeitsselektion der Mutterlinien eingesetzt hat. Es begann 1992 mit dem Merkmal „lebend geborene Ferkel“. Schnell wurde jedoch klar, dass damit allein die Wünsche der Ferkelerzeuger nicht zu erfüllen waren. Heute dominiert die aktuellen Zuchtziele in den Mutterlinien mit einem Anteil von ca. 70 % ein Fruchtbarkeitskomplex aus den Merkmalen geborene Ferkel, Ferkelüberlebensrate, Striche, Langlebigkeit der Sau und Fundament. In wenigen Monaten wird erstmalig in der modernen Schweinezucht das Merkmal „Verhalten“ mit Komponenten wie Rauscheverhalten, Mütterlichkeit, Säugeverhalten, Umgänglichkeit etc. in die Zuchtwertschätzung der Mutterlinien integriert.

Der Zuchtfortschritt kann weiter deutlich beschleunigt werden, wenn möglichst viele Datensätze vorliegen und neben Reinzuchtdaten auch die Daten von Kreuzungssauen, also der Sauen, die beim kommerziellen Ferkelerzeuger stehen, in die Zuchtwertschätzung einfließen und ein Gesamtzuchtwert aus Reinzucht und Kreuzungsleistung zur Selektion der Nukleus-Eber auf Fruchtbarkeit genutzt wird.

Die Kombination der bewährten klassischen PIC-Zucht mit modernen molekularbiologischen Verfahren, der PICmarq® Technologie, eröffnete schon Mitte der 90er Jahre ungeahnte neue Perspektiven. Seit 1994 steht der PIC exklusiv der Wurfgrößenmarker LS1, bei dem es um den Östrogenrezeptor (ESR) geht, zur Verfügung, der es erlaubt, direkt bereits bei Ferkeln diejenigen Sauen und Eber zu identifizieren, die das höchste Fruchtbarkeitspotential haben. Der Effekt einer Kopie der vorteilhaften LS1 Genvariante hat eine Größenordnung von ca. 0,4 Ferkeln/Wurf (= 1 Ferkel mehr pro Jahr). Seit 1998 nutzt PIC einen weiteren Wurfgrößenmarker. Der LS4-Marker, bei dem es sich um den Prolaktin-Rezeptor handelt, hat einen Effekt in gleicher Größenordnung auf die Wurfgröße wie der LS1-Marker. Zudem scheint ein positiver Effekt auf die Absetzgewichte der Ferkel zu bestehen. Seit 2002 stehen auch Marker für die Selektion auf Langlebigkeit zur Verfügung. An einem umfangreichen Datensatz von 25.000 Sauen mit Lebensleistungsdaten und gespeicherten DNA-Informationen aus 5 Ländern wurden 15 potentielle Marker durch 4 Laboratorien in 3 Ländern untersucht. 3 Marker zeigten deutliche Effekte auf die Lebensleistung und werden heute in der Zuchtwertschätzung als Informationsquelle genutzt. Marker helfen auch bei der Entwicklung der „robusten“ zukünftigen PIC-Sau, die auch unter gesundheitlich schlechten Bedingungen wie z.B. PRRS eine exzellente Fruchtbarkeitsleistung abliefert. Die direkte Bestimmung der genetischen Veranlagung eines Tieres in punkto Fruchtbarkeit, quasi der Blick mit der Lupe in die Erbanlagen mit DNA-Marker-Tests, hat deutliche Vorteil in der Selektion auf Fruchtbarkeit: Wenn sowohl Sau als auch Eber Träger von zwei der positiven Markergen-Varianten sind, dann werden es mit Sicherheit auch die Nachkommen sein. PICmarq-Genotyp-Informationen sind für die meisten Zuchtschweine in der PICtraq-Datenbank verfügbar (>1.5 Mill. DNA-Resultate). Seit Oktober 2003 werden täglich Marker-Effekte für eine Vielzahl von Zuchtwertmerkmalen in Mutterlinien mit aktuellem Stand in die Zuchtwertschätzung einbezogen.

Im Jahre 2003 hat PIC die Zuchtziele der Mutterlinien neu definiert und weiter verstärkt auf die Sauenfruchtbarkeit ausgerichtet. Relativ einfach zu bearbeitende Merkmale wie Zunahme und Fleischanteil haben untersucht z. T. Optimalwerte erreicht, so dass nun verstärkt Druck auf die schwer zu bearbeitenden Merkmale wie Fruchtbarkeit und Robustheit gemacht werden kann. Die neue PIC-Hybridsauengeneration wird aktuell bereits an Kunden ausgeliefert, auch wenn dies nicht wie in der Automobilindustrie sofort am neuen Kühlergrill ersichtlich ist. Der Motor ist ein anderer mit stärkerer Leistung und wird laufend durch neue Genkombinationen verbessert. Deutliche Effekte zeigen sich wie erwartet naturgemäß zuerst auf den deutschen Nukleusbetrieben und in der Vermehrung. Die 4 Nukleusbetriebe setzen aktuell mit Reinzuchtsauen (!) zwischen 23 und 24 Ferkel/Sau/Jahr ab. Die für die Produktion der nächsten Generation genutzten Top- Nukleussauen haben darüber hinaus deutlich höhere Leistungen (siehe Grafik). Die Vermehrung mit rund 17.000 Sauen hat diesem genetischen Trend folgend binnen eines Jahres einen Leistungsschub um 1 Ferkel auf aktuell 23,7 aufgezogene Ferkel gemacht, ohne die Remontierungsraten über das normale Maß zu erhöhen (siehe Grafik). Die besten beiden Vermehrer erreichen nun die 27 aufgezogenen Ferkel/Sau/Jahr. Dies lässt ein noch höheres Potential im Kundenbereich erwarten, zumal für den deutschen Markt die Nukleus-Eber seit Anfang 2005 mit einer noch verstärkten Betonung der Ferkelüberlebensrate selektiert werden.

Die derzeit eingehenden Ergebnisse bestätigt die PIC-Strategie im Hinblick auf Gesamtwirtschaftlichkeit auch in der Fruchtbarkeit als richtig. PIC wird auch in Zukunft nicht wie andere Organisationen mal dieses oder jenes Merkmal im Zickzack-Kurs mit negativen und möglicherweise irreparablen Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaftlichkeit bearbeiten. Wem nützt z.B. eine hohe Anzahl aufgezogener Ferkel/Wurf, wenn die Sau nur 3 Würfe durchhält oder fette Mastschweine nicht zu vermarkten sind? Sauenprodukte müssen auch immer auf Länderebene verglichen werden, ein Vergleich über Länder ist nicht legitim. Dänische und französische PIC-Vermehrer erzielen z.B. mit den gleichen Sauen, also exakt gleicher Genetik, aufgrund anderer Produktionsverhältnisse und Auswertungssysteme systematisch höhere Leistungen wie deutsche PIC-Vermehrer. Es liegt auch nicht im Sinne von PIC, groß angelegte Bundes-Einkreuzungsversuche mit „fruchtbarem Blut“ und äußerst ungewissem Ausgang auf Kundenebene auszutragen. PIC baut basierend auf der Arbeit einer starken PIC/SYGEN-Forschungs- und Entwicklungsgruppe weiter auf ein stabiles Zuchtprogramm mit neuen Innovationen und Kontinuität, klar ausgerichtet auf die Anforderungen unserer Kunden und folgt nicht kurzfristigen Trends.


Zucht: Fachartikel...

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