PIC Deutschland GmbH

2010-09-09
http://www.picdeutschland.de/


Erfolgreich wirtschaften mit gesundne Schweinen
... eine Betriebsreportage aus Holland ...

Wim van Wulpen, NL

Wim van Wulpen, NL

Wim van Vulpen aus Bunnik in der Provinz Utrecht, Niederlande: Vom Mäster zum Vermehrungsbetrieb mit 700 PIC-Zuchtsauen mit SPF-Status.

Wim van Vulpen: "Die Lage für einen Schweinezuchtbetrieb ist hier ideal. Anders als in den schweinedichteren Regionen der Niederlande, gibt es hier kaum andere Schweine, wodurch es für uns leichter ist, die Gesundheit der Tiere aufrechtzuerhalten."

 

Schweinezüchter Wim van Vulpen hat ein anstrengendes Jahr hinter sich. Er stockte seinen Bestand von 350 auf 700 Tiere auf. Van Vulpen hat mit einem neuen Stall, neuen Mitarbeitern und der Verdopplung des Sauenbestandes einen neuen Anfang gemacht. Die Eingewöhnungsphase hat fast ein Jahr gedauert, aber jetzt läuft der Betrieb rund mit hervorragenden Ergebnissen.

Noch sind außerhalb des Stalls zwei Bauarbeiter beschäftigt. "Sie werden dafür sorgen, dass ich in Zukunft den Vorrat an Schwefelsäure für die Luftwaschanlage außerhalb des Stalls lagern kann", sagt Wim van Vulpen (39). "Es war mir ein Dorn im Auge, dass ich alle sechs Wochen ein Fass mit Schwefelsäure in den Stall schaffen musste. Trotz einer gründlichen Reinigung betrachte ich die Lagerung solcher Wechselfässer, die auch von anderen Betrieben verwendet werden, als ein Risiko für den Eintrag unerwünschter Krankheitserreger."

Seit vorigem Jahr, als der neue Stall mit 700 Sauen in Betrieb genommen wurde, betreibt Wim van Vulpen einen sogenannten SPF-Betrieb (spezifisch pathogen frei), ein Unternehmen mit einem hohen Gesundheitsstatus. Und van Vulpen unternimmt alles, um diesen aufrechtzuerhalten. Besuchern wird nur der Zutritt zu den Ställen gewährt, wenn sie einen triftigen Grund haben und selbstverständlich erst dann, wenn sie sich geduscht und stalleigene Kleidung angezogen haben.

Wim selbst steht manchmal fünf oder sechs Mal am Tag unter der Dusche. "Eine Frage der Gewöhnung. Ein klarer Vorteil ist, dass man niemals mit Schweinegeruch nach  Hause kommt. Im Grunde ist es für Menschen ganz einfach, sauber in den Stall zu gehen. Mit den zahlreichen Dingen, die man in den Ställen braucht, ist das viel schwieriger. Einen Sack mit Futter kann man zwar unter die Dusche stellen, nur wird dieser auf diese Weise nicht von Krankheitserregern befreit."

Die Entscheidung, hochgesunde Schweine zu halten, hat van Vulpen erst getroffen, als er mit den Entwicklungsplänen für seinen Betrieb bereits weit fortgeschritten war. "Als die Baupläne 2005 Gestalt annahmen, kamen immer mehr Informationen über die Möglichkeiten, eine Schweinezucht mit einem hohen Gesundheitsstatus zu betreiben, dazu. Es wurde mir rasch klar, dass der komplette Neubau für 700 Sauen für mich der Moment sein sollte, den Bestand durchzusanieren.

 

 

SCHON SEIT JAHREN PLÄNE

Bereits 1996 begann Wim van Vulpen Pläne für den Bau eines Maststalls mit 1600 Plätzen zu schmieden.

Den Betrieb in Bunnik hat van Vulpen von seinem Vater übernommen, der diesen erworben hatte. "In meiner Jugend habe ich niemals beabsichtigt, Schweinezüchter zu werden und ich habe auch keine entsprechende Ausbildung erhalten. Jahrelang bin ich im Bereich der Landtechnik tätig gewesen, aber nebenbei habe ich immer meinem Vater bei der Schweinehaltung geholfen. Die Arbeit mit Tieren lag mir. Es stellte sich heraus, dass ich gut mit den Tieren umgehen kann", erzählt Wim, der sich Mitte der neunziger Jahre endgültig für die Spezialisierung als Schweinezüchter entschieden hat.

 

Er hat nicht nur in der Maststallanlage in Houten gearbeitet, sondern auch im Zuchtsauenbetrieb mit 350 Tieren, den sein Vater gepachtet hatte. "Vom Anfang an haben wir Pläne entwickelt, wie der Betrieb in Bunnik in Zukunft weiterzuführen ist. Ich habe mich bewusst für eine erhebliche Steigerung der Zuchtsauenzahl entschieden, weil das die Einstellung eines Mitarbeiters ermöglicht.  Das macht den Betrieb weniger anfällig. Und auch in sozialer Hinsicht hat man mehr Möglichkeiten. Man kann an den Wochenenden und in den Ferien leichter frei machen.“

Mitarbeiter Hilbert (21) hat zeitgleich mit den Bauaktivitäten im Frühjahr 2006 angefangen. "Der Augenblick war ideal. Hilbert hat die gesamte Bauentwicklung miterlebt und weiß deswegen genau, wie alles funktioniert. Das hat seine Vorteile, weil wir im Hinblick auf die Hygiene möglichst wenige Leute in den Ställen haben und eventuelle technische Probleme, so weit möglich, selbst lösen wollen.

 


Der Betrieb van Wulpen

Hilbert ist der Sohn von Wims Schwester und hat, wie auch sein Arbeitgeber, keine Ausbildung im Schweinezuchtbetrieb erhalten. "Auch Hilbert ist sozusagen aus reiner Liebhaberei hineingeschlittert. Als achtjähriger Junge half er seinem Vater an Samstagen, Schwänze zu kupieren." Wim versucht Hilbert, so gut wie möglich, alle Kniffe des Schweinezuchtbetriebs beizubringen, indem er ihn in allen Betriebsabteilungen Erfahrungen sammeln lässt.

Die Entscheidung, ein Unternehmen mit einem hohen Gesundheitsstatus zu starten, bedeutete, sich vom Pachthof in Tall en 't Waal samt den Sauen zu verabschieden. Am Heimatstandort hat Wim 2006 die ganze Mastschweinepopulation runtergefahren. Während des Baus des neuen Sauenstalls benutzte van Vulpen den Maststall für die Aufnahme von jungen SPF-Großelterntieren der PIC.

 

SCHWIERIGES ERSTES JAHR

Trotz eines neuen Starts mit einem modernen Zuchtsauenstall und einem neuen gesunden Zuchtsauenbestand hat das Unternehmen kein leichtes Jahr hinter sich.

"Mehrere Faktoren haben dabei eine Rolle gespielt. Wir mussten lernen, mit einem doppelt so großen Zuchtsauenbestand in einem neuen Stall zu arbeiten. Vor allem die Umstallung der trächtigen Sauen in Gruppenhaltung hat eine erhebliche Gewöhnung gekostet. Weiterhin haben wir mit dem Drei-Wochen-System angefangen. Und um den gewünschten Zyklus bei allen geschlechtsreifen Tieren zu synchronisieren, hat es etliche Kunstgriffe erfordert.

Auch die Tatsache, dass die Zuchtsauen derselben Altersklasse angehören, macht es nicht einfacher. Man fängt mit jungen geschlechtsreifen Tieren an, denen bis zum ersten Wurf eine überdurchschnittliche Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Anschließend gilt für alle Tiere, dass sie planmäßig zum zweiten Mal abferkeln sollen. Und wie hinlänglich bekannt ist, zeigen Sauen zum 2. Wurf überdurchschnittlich häufig Probleme. Sauen, die zum zweiten Mal belegt werden sollen, verlassen oft abgemagert den Abferkelstall, und das führt häufig zu vermehrtem Umrauschen der Tiere. Auch das haben wir mehrmals erlebt."

Mittlerweile haben alle neuen Sauen dreimal abgeferkelt, und es wurden sogar die ersten selbst gezüchteten Sauen eingesetzt. Allmählich ist  von einer reibungslosen Organisation die Rede. Das geht nicht nur aus den züchterischen Ergebnissen, sondern auch aus dem Arbeitsbedarf hervor.

"Es bildet sich eine klarere Struktur heraus und deswegen brauchen wir weniger Zeit für die Arbeit. Die gute Gesundheit der Tiere führt gleichfalls zu Arbeitseinsparungen. Behandlungen von abgesetzten Ferkeln sind zum Beispiel fast nie notwendig", stellt Wim fest.

Trotzdem langweilen Wim und Hilbert sich keine Minute. "Wenn wir rechtzeitig fertig sind, steigt Hilbert zum Dünger fahren auf den Traktor." Wim verwaltet etwa 20 Hektar Ackerboden und düngt etwa 75 Hektar Weideland von (ehemaligen) Milchviehhaltern in der Gegend. "Auf diese Art und Weise können wir 75 Prozent der Düngermenge loswerden. Ich bin so weniger abhängig von den Schwankungen auf dem Düngermarkt und brauche nicht so oft die in meinen Augen in punkto Gesunderhaltung risikoreichen Tankwagen mit Dünger auf den Hof fahren zu lassen."

Vorläufig hat Wim keine Pläne für einen weiteren Betriebsausbau. "Zuerst den reibungslosen Arbeitsablauf stabilisieren." Langfristig denkt der Unternehmer über die Möglichkeiten einer Betriebserweiterung nach. Trotz der Betriebslage, nahe der Autobahn A12, und der vorrückenden städtischen Bebauung, bietet der heutige Standort künftige Wachstumsmöglichkeiten. "Die Lage für einen Schweinezuchtbetrieb ist hier gerade zu ideal. Anders als in schweinedichten Regionen gibt es kaum andere Schweine in der Nähe, wodurch es für uns leichter ist, die Gesundheit der Tiere aufrechtzuerhalten."

 

Betriebsinformation

Wim van Vulpen hat in Bunnik eine Schweinezuchtanlage mit 700 Sauen und 1500 Jungsauenplätzen. Das Unternehmen wird in seiner heutigen Form erst seit einem Jahr betrieben. In den ersten drei Monaten 2008 belief sich die Zahl der abgesetzten Ferkel auf etwa 30 je Sau. Wim ist mit Rita verheiratet.  Das Paar hat drei Kinder: Daan, Marjolein und Laura.

Außer Wim arbeitet Hilbert ganztags im Unternehmen. Außerdem sind zwei Samstagskräfte, die mehr oder weniger abwechselnd an den Samstagen arbeiten, tätig.

 

Umstieg auf PIC-Sauen

Die Entscheidung für einen höheren Gesundheitsstatus ging bei Wim van Vulpen mit dem Umstieg auf Sauen der Zuchtorganisation PIC einher. "Was krankheitsfreie Sauen anbelangt, hat PIC einen Vorsprung gegenüber anderen Zuchtorganisationen und eine klare Philosophie, die bei mir ankommt.“

Weil es in den Niederlanden nur noch ein geringes Angebot von SPF-Sauen gibt, hat van Vulpen mit PIC vereinbart, als Vermehrer zu arbeiten. Der ehemalige Stall für die Haltung von Mastschweinen wird nunmehr für die Aufzucht von Zuchtsauen benutzt.

 

Trotz der Betriebslage, nah an der Autobahn A12, und der vorrückenden städtischen Bebauung bietet der heutige Standort künftige Wachstumsmöglichkeiten.

 

Dieser Artikel ist in der niederländischen Fachzeitschrift 'Boerderij' (Mai 2008), Autor BERRIE KLEIN SWORMINK, erschienen. Download



Reportagen - Berichte - Erfahrungen...