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31.08.2005
Freilandsauenhalter trafen sich zum Erfahrungsaustausch

Zahlreiche Freilandsauenhalter trafen sich zum Erfahrungsaustausch

Zahlreiche Freilandsauenhalter trafen sich zum Erfahrungsaustausch

Am 31. August 2005 trafen sich bei sonnigem Spätsommerwetter Landwirte aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, Vertreter der Beratung, der Züchtung, der Vermarktung und der Wissenschaft in Goritz (zwischen Laage und Tessin), um einen Erfahrungsaustausch zu Fragen der ganzjährigen Freilandhaltung von Sauen abzuhalten. Einladende waren der Schweinekontroll- und Beratungsring Mecklenburg-Vorpommern (SKBR), die PIC Deutschland und die Bioparkt Markt GmbH. Gastgeber und gleichzeitig Anschauungsbeispiel war der Betrieb Paulsen mit rund 300 Sauen, der seit Ende letzten Jahres auf diesem Standort in der Nähe von Goritz wirtschaftet. Als Besonderheit der Veranstaltung ist hervorzuheben, dass es sich bei den teilnehmenden Freilandhaltern ausschließlich um Ökobetriebe handelte, die ihre Schweine überwiegend über die Erzeugergemeinschaft Biopark Markt GmbH handeln.

Von den bislang insgesamt etwa 1.500 ökologisch gehaltenen Sauen in Mecklenburg-Vorpommern werden rund 40 % ganzjährig im Freiland gehalten. Das große Interesse für diese Haltungsform in ökologisch wirtschaftenden Betrieben mit Schweinehaltung hat mehrere Gründe:
  • Integration der Schweine in die Fruchtfolge mit guter Dungwirkung,
  • relativ geringe Investitionen,
  • Möglichkeit zum schrittweisen Aufbau,
  • wenig Geruchsemissionen durch getrenntes Absetzen von Kot und Harn
  • hervorragende Verbraucherakzeptanz
  • leichte Böden sind prädestiniert (die Ökobetriebe in M-V wirtschaften auf Flächen mit durchschnittlich 22 Bodenpunkten)

Nach einer Anlagenbegehung, an der außer Herrn Paulsen und Mr. John Goss (Freilandexperte der PIC aus England) auch Vertreter des SKBR und der PIC Deutschland teilnahmen, trafen sich alle Teilnehmer des Erfahrungssaustausches zu einer Besichtigung der Schweineanlage, die aus seuchenhygienischen Gründen von außen stattfand. Herr Paulsen stellte die Grundsätze vor, nach denen er seine Sauenherde bewirtschaftet. Etliche Themenbereiche wie Wahl der Genetik, hygienisches Risiko durch Vögel, Hüttenform, Gestaltung der Abferkelung sowie Jungsauen- und Besamungsmanagement wurden bereits hier angesprochen und in der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, die im Anschluss an ein gemeinsames Mittagessen durchgeführt wurde, weiter vertieft.

Freilandsauen des Betriebs Paulsen

Freilandsauen des Betriebs Paulsen

Die richtige Sau
Viele Freilandhalter stellten die Frage nach der geeigneten Genetik für diese Haltungsform. Eine abschließende und allgemeingültige Antwort konnte darauf nicht gefunden werden. Die Sauen müssen sich gut bewegen können und über ausgezeichnete Fundamente verfügen. Weiterhin sollten sie fruchtbar und mütterlich, aber gleichzeitig auch umgänglich sein. Ihre Neigung zu Sonnenbrand darf nicht zu groß sein, was bedeutet, dass bei Hybridsauen möglichst mindestens ein Kreuzungspartner der Eltern-/Großelterngeneration pigmentierte Haut aufweist. Die Größe der Sauen bzw. deren Rahmigkeit und die Hüttengrößen vor allem im Abferkelbereich müssen zueinander passen. Letztendlich wird jeder Halter seine Vorlieben in Bezug auf die Wahl der Sauengenetik herausfinden müssen.

Vögel in der Freilandanlage
Fast alle Landwirte, die an der Veranstaltung teilnahmen, berichteten über Erfahrungen und Probleme mit Krähenvögeln und/oder Möwen in ihren Anlagen. Dabei stellen solche Fälle immer ein hygienisches Risiko dar. Abgesehen von Futterverlusten, die je nach Anzahl der beteiligten Vögel erheblich sein können, wurde im Zusammenhang mit dem Auftreten von Kolkraben aber auch über Ferkelverluste berichtet.
Eine Bekämpfung der Vögel selbst ist aus den unterschiedlichsten Gründen in der Regel nicht möglich. Deshalb müssen alle passiven Maßnahmen ausgenutzt werden, um die Freilandanlagen für die Vögel nicht zu attraktiv werden zu lassen:
  • die Fütterung so gestalten, dass nie Futter über längere Zeit ungeschützt zur Verfügung steht
  • Nachgeburten und tote Ferkel schnellstmöglich in geschlossenen Behälter vorschriftsmäßig entsorgen
  • Saugferkel mindestens 7 bis 10 Tage am Verlassen der Abferkelhütte hindern (Fender einsetzen!)

Die beste Hüttenform
Auch auf die Frage nach den geeignetsten Hüttenformen, gemeint waren hier vor allem die Abferkelhütten, konnte keine allgemeingültige Antwort in der Form gefunden werden, dass ein Hüttentyp als der beste herausgestellt werden konnte. Aufgrund verschiedener Erfahrungen äußerten sich die Freilandhalter auch unterschiedlich zur Verwendung von Abweisstangen als Ferkelschutz in den Hütten. Wenngleich die Erfahrungen aus England und der Wissenschaft dahin gehen, dass deren Verwendung entbehrlich oder sogar platzraubend und damit hinderlich ist.
Als äußerst wichtig aus Sicht der Tiergesundheit wurden die Verwendung von Hütten ohne Boden und der regelmäßige Platzwechsel der Hütten auf eine „unbelastete“ Fläche vor jeder Neubelegung herausgestellt.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen ließ Mr. Goss in seinem Vortrag die Teilnehmer an seinem reichen Erfahrungsschatz aus englischen Freilandhaltungsanlagen teilhaben. Er ging auf viele Details der Freilandhaltung ein, von denen hier nur einige wiedergegeben werden können.

Abb. 1: Optimale Gestaltung eines Abferkelgeheges

Abb. 1: Optimale Gestaltung eines Abferkelgeheges

Optimale Gestaltung der Abferkelung
Die Grundsätze, die bei der Gestaltung des Abferkelgeheges berücksichtigt werden müssen, erläuterte Mr. Goss anhand einer Folie, die in Abbildung 1 dargestellt ist. In weiteren Empfehlungen führte er aus:
  • 5 - 9 Sauen pro Abferkelgruppe,
  • Einzelabferkelgehege vor allem für Jungsauen
  • Die Hütten müssen vor jeder Abferkelung auf frischen Untergrund gestellt werden und dicht mit diesem abschließen (keine Wühllöcher).
  • In den Hütten muss genügend Stroheinstreu verteilt werden, welche auch in die Ecken geschoben werden muss.
  • Es soll nur einmal vor dem Abferkeln Stroh eingestreut werden. Frühestens 4 - 5 Tage nach dem Abferkeln sollte frisches Stroh nachgestreut werden, andernfalls wird die Sau jedes Mal erneut zum Nestbau animiert und die Gefahr von Erdrückungsverlusten steigt stark an. Nach diesem Zeitraum muss etwa zwei Mal pro Woche nachgestreut werden, bei ungünstigem Wetter auch häufiger.
  • Fender sind erforderlich, sollten aber erst nach dem Abferkeln angebracht werden (Die Sau will „ihre“ Hütte finden und das Revier festlegen.) und verbleiben solange, bis die Ferkel sie überwinden können.
  • Die Sauen sollten mindestens 4 Tage vor dem Abferkeltermin in das Abferkelgehege kommen.
  • Nach der Abferkelung muss die Sau zum Verlassen der Hütte gedrängt werden, dann wird der Fender angebracht und die Sau kehrt anschließend über den Fender zurück.
  • Der Bewuchs muss innerhalb des Geheges kurzgehalten werden, andernfalls neigt die Sau dazu außerhalb der Hütte ein Nest anzulegen und dort abzuferkeln.
  • Ab 16°C muss eine Suhle zur Verfügung stehen.
  • Die Betreuung des Abferkelgeheges sollte die erste Tätigkeit des Tages sein.
  • Jede Hütte sollte täglich kontrolliert werden. Eine Geruchskontrolle des Inneren kann schnell eine Information über eventuelles Durchfallgeschehen liefern.
  • Das Futter sollte in langgezogenen Linien vorgelegt werden, wobei die Sauen, die zuerst geferkelt haben, als erste versorgt werden, damit sie mehr Zeit für das Säugen zur Verfügung haben.

Weitere Informationen bei den Autoren:
Olaf Tober, Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern - Institut für Tierproduktion Dummerstorf
Rene Füller, Schweinekontroll- und Beratungsring Mecklenburg-Vorpommern e.V
Norbert Möller, PIC Deutschland GmbH


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