
Versuch zur Fleischqualität und RückverfolgbarkeitMan schmeckt, was dahinter steckt Der Eber ist die halbe Herde, so lautet eine alte Tierzüchterweisheit, die auch heute noch Gültigkeit hat. Also liegt der Gedanke nah, in einem Versuch den Einfluss verschiedener Eberlinien zu erfassen. VION hat gemeinsam mit dem Zuchtunternehmen PIC in Schleswig und dem Einzelhandelsunternehmen coop eG in Kiel eine Untersuchung zur Herkunfts- und Qualitätssicherung durchgeführt. „Wir wollten wissen, mit welchen Ebern der Schweinehalter die Fleischqualität nachweislich und wiederholbar verbessern kann und wie wirtschaftlich die unterschiedlichen Herkünfte sind“, erklärt Dr. Heinz Schweer, VION-Direktor Landwirtschaft Deutschland. Eine weitere Frage war, ob die Herkunft des Fleisches mittels Markergenen nachzuweisen, für den Alltag im Einzelhandel anwendbar ist. Mit dieser Methode könnte dann der Lebensmitteleinzelhandel seine Markenstrategie vom Wettbewerb differenzieren. „Um unsere Kunden zu binden, müssen wir uns als Einzelhandel mit Bedientheke vom SB-Bereich der Discounter abheben. Dies erreicht man mit fundierter Verbraucherberatung und mit dokumentierter und garantierter Qualität. Das Schnitzel in messbarer Premiumqualität bedeutet für uns unter anderem weniger Tropfsaftverlust und mehr intramuskuläres Fett und damit mehr Geschmack und bessere Farbe als die Standardware“, verdeutlicht Klaus Burger von der coop in Kiel. Das Zuchtunternehmen PIC hat für die Herkunftssicherung und Rückverfolgbarkeit ein Konzept entwickelt, mit dem viele Parameter wie Zuwachs, Schlachtkörperausbeute und -qualitätseigenschaften erfasst und an das jeweilige Kundensegment angepasst werden können. PIC-Zuchtleiter Dr. Holger Looft: „Mit unserer Markertechnologie können wir Erzeugergemeinschaften, Schlacht- und Verarbeitungsunternehmen und dem Lebensmitteleinzelhandel ein komplettes Programm mit individueller Genetik und Linienzusammensetzung anbieten.“ ![]() Jens Poggensee (Mitte), Berater NFZ-Erzeugergemeinschaft, und Landwirt Hans Heinrich Helms (rechts9 mit Sohn Kai (links) aus Krummbek erwarteten mit Spannung die Ergebnisse des Versuchs. Prüfung in der Praxis und auf Station Durchgeführt wurde der Versuch auf dem Betrieb von Hans-Heinrich und Kai Helms im schleswig-holsteinischen Krummbek bei Kiel. Eingesetzt wurden zwei Pietrain-Ebervarianten, der Pietrain PP-Standardeber, der als Kontrollgruppe diente und der PIC 408 NN-Eber, der mit Hilfe von sieben Markern auf Fleischqualität selektiert wird. Weitere Väter waren der synthetische weiße PIC-Eber 337 und der daraus mit Duroc gekreuzte Eber der Linie PIC 380. „Wir waren als Praktiker gespannt auf die Ergebnisse“, erklären Vater und Sohn Helms, „vor allem die Wirtschaftlichkeit bei hohen Futterkosten, die Vitalität und das Handling sowie die Homogenität der Gruppen sind wichtige Kriterien für die Eberauswahl aus der Sicht des Landwirts.“ Insgesamt wurden 1800 Tiere in den Versuch einbezogen, die sowohl in der Feldprüfung in Krummbek mit anschließender Schlachtung im VION-Schlachthof in Zeven als auch in der Stationsprüfung an der LPA Ruhlsdorf untersucht wurden. Ausgewertet wurden die Daten durch das Institut für Tierzucht und Tierhaltung der Universität Kiel.
Die Ergebnisse im Überblick… In der Feldprüfung zeigte sich bei insgesamt 197 Würfen eine deutliche Überlegenheit der 380er-Eber. Sie brachten mit 12,8 lebend geborenen Ferkeln über ein Ferkel mehr im Vergleich zum PP-Eber mit 11,6 und dem NN-Eber mit 11,7 Ferkeln. Auch bei den Mastleistungen hatten der synthetische und der Duroc-Kreuzungseber die Nase vorn. Im Durchschnitt dauerte die Mast 176 Tage. Während die Nachkommen des NN-Ebers drei Tage mehr brauchten, waren die PP-Nachkommen sieben Tage länger im Stall. Dagegen verließen die 337er-Mastschweine schon nach 170 Tagen und die 380er-Mastschweine nach 171 Tagen den Stall. Bei den Nettolebentagszunahmen betrug der Durchschnitt 545 Gramm, die der PP-Nachkommen waren mit 519 Gramm am niedrigsten, gefolgt von 535 Gramm bei den NN-Nachkommen, im Gegensatz zu 559 Gramm bei den 337er-Nachkommen und 568 Gramm bei den 380er-Nachkommen. „Das zeigt, dass zwischen den frohwüchsigen und den langsamer wachsenden Mastschweinen fast zwei Wochen liegen, in denen der Stall nicht wieder neu belegt werden kann“, fasst Prof. Dr. Joachim Krieter von der Universität Kiel zusammen. Im ökonomischen Vergleich zeigten sich unterschiedliche Ergebnisse je nachdem, ob die Zuchtleistung mit einbezogen wurde und mit welcher Methode die Schlachtkörper ausgewertet wurden.
…und in der Bewertung der Fachleute VION-Kundenbetreuer Jens Poggensee bewertet die Situation folgendermaßen: „Die Nachkommen der Duroc-betonten PIC-Eberlinie 380 erreichen im Kombibetrieb mit der Vion AutoFOM-Maske die höchste Wirtschaftlichkeit. Der ca. vier Euro geringere Erlös wird durch ein zusätzlich aufgezogenes Ferkel und einer besseren Futterverwertung mehr als ausgeglichen. Im reinen Mastbetrieb reichen die über 1120 g tägliche Zunahme der 380-er Nachkommen bei den aktuellen Futterpreisen nicht aus, um den Nachteil im Schlachtkörperwert wett zu machen.“ Ähnlich analysiert Dr. Holger Looft Situation: „Unter den derzeitigen Markt-Gegebenheiten hat der über DNA-Marker selektierte Pietrain-Eber PIC Eber 408 klar die Nase vorn. Der Landwirt erreicht den notwendigen Zuwachs unter Einhaltung der geforderten hohen Fleischanteile, der Lebensmitteleinzelhandel erfährt eine deutliche Verbesserung bzw. Stabilisierung seiner Produktqualitäten im Vergleich zum Standard-Eber. Die beiden Duroc-Varianten PIC Eber 337 und 380 erhöhen auf der einen Seite den intramuskulären Fettgehalt und bieten damit Möglichkeiten für den Lebensmitteleinzelhandel zur weiteren Differenzierung. Auf der anderen Seite können aber die enormen Zunahmen nicht den erwarteten Abfall im Fleischanteil unter derzeitigen Bedingungen ökonomisch kompensieren. Diese Ebervarianten werden selbst unter Berücksichtigung der deutlich besseren Zuchtleistung im Vergleich zu den Pietrain-Ebern erst interessant, wenn Futtermittelpreise erneut hohe Niveaus erreichen, neue Klassifizierungsformeln und Abrechnungsmasken zum Tragen kommen oder gar Ebermast in die Praxis geht“, so der PIC-Zuchtleiter.
Fazit Die Ergebnisse des Versuches zeigen, dass über den gezielten Endstufenebereinsatz Premiumqualitäten erzeugt werden können. Welcher Eber dann letztlich zum Einsatz kommt bzw. der ökonomisch sinnvolle ist, hängt von den Rahmenbedingungen wie Abrechnungsmaske, Futtermittelpreise und weiteren Einflüssen ab. Quasi als Nebeneffekt des Projektes konnte bewiesen werden, dass über genetische Marker ein Schnitzel einem einzelnen Ebers bzw. einer Gruppe von speziellen Ebern zugeordnet werden kann. Damit kann der Einzelhandel dem Verbraucher die Herkunft glaubhaft nachweisen bzw. die Lieferungen für das Qualitätsfleischprogramm überprüfen. |
PIC-Endstufeneber |