
Wann wird’s mal wieder richtig ........Vielen Landwirten ist folgendes Szenario eine bekannte Begleiterscheinung in der Sauen-haltung; • im Sommer rauschen die Sauen nicht • die Umrauschquote ist während der heißen Jahreszeit höher • Sauen, die während der Sommermonate belegt werden, haben kleinere Würfe Im folgenden Beitrag sollen Hintergründe sowie Lösungsansätze dieser all- und altbekannten Thematik diskutiert werden. Für die Vorfahren unserer Hausschweine, den Wildschweinen, wäre es fatal, wenn deren Nachkommen im Winter zur Welt kommen würden. In der Natur wird diese Problematik dadurch umgangen, daß die Bachen in den Sommermonaten nicht zur Rausche kommen. Es wird diskutiert, daß unsere Hausschweine dieses Verhalten immer noch rudimentär zeigen. Verantwortlich für dieses Verhalten ist die Photoperiode. Beim Wildschwein wird durch die zunehmende Tageslichtlänge die Aktivität des Fortpflanzungsgeschehens eingeschränkt. Eine abnehmende Tageslichtlänge beeinflußt dagegen das Fortpflanzungsgeschehen positiv. Technische Einrichtungen könnten diese Zusammenhänge für eine Steuerung des Fortpflanzungsgeschehens nutzbar machen. Diese Zusammenhänge stehen auch in Übereinstimmung mit Untersuchungen, die die ab-nehmenden Fruchtbarkeitsleistungen während der Sommermonate in Verbindung mit den dann höheren Gewichtsverlusten der säugenden Sauen diskutieren. Oberhalb einer Temperaturgrenze von 20 °C wird es für säugende Sauen zunehmend schwieriger, die aufgrund der hohen Stoffwechselleistung enormen Wärmemengen ab-zugeben. Pro Grad Temperaturerhöhung fressen die Sauen dann bis zu 5 % weniger. Als Folge davon steigen die laktationsbedingten Gewichtsverluste an. Die nächste Rausche tritt entsprechend verzögert ein, Sauen rauschen häufiger um, der nächste Wurf ist kleiner. Weiterhin ist die Immunreaktion und damit die Fähigkeit zur Infektabwehr herabgesetzt. Zusätzlich konnten bei ansteigenden Umgebungstemperaturen (ab 22 °C) Abweichungen im Hormonsystem der Sau festgestellt werden. Entgegen dem gesicherten nachteiligen Einfluß hoher Umgebungstemperaturen auf die Fruchtbarkeit haben Untersuchungen von DORN et al.(1988) zufolge gerade ein Langtag (12 bis 18Std. Licht) einen stimulierenden Effekt auf die Sauenfruchtbarkeit. Zusätzlich werden auch Angaben über die Lichtintensität gemacht. Diesen Angaben zufolge wirken Lichtstärken zwischen 70 und 120 Lux stimulierend, dagegen Lichtstärken unter 60 Lux depressiv. Verschiedene KB- Stationen gegen die Empfehlung zur Installation von Licht-bändern im Erocenter, die in Kopfhöhe der Sauen eine Lichtstärke um 200 Lux erzeugt. Weitere Untersuchungen zeigen, daß der Einsatz von verschiedenen Lichtprogrammen je-doch alleine ungeeignet ist, der abnehmenden Fruchtbarkeit in den Sommermonaten zu be-gegnen. Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß - wie so häufig - die Veränderung nur eines Produktionsfaktors (wie in diesem Fall die Lichtdauer im Eroscenter) nicht automatisch und überall zu dem gewünschten Erfolg führt. So können Lichtprogramme Bestandteile ei-nes Gesamtkonzeptes sein. Dieses sollte aber gleichzeitig Maßnahmen zur Vermeidung von Temperaturspitzen in den Sommermonaten enthalten (z.B. bezahlbare Erdwärmetau-scher, optimale Kleinklimagestaltung) sowie mit nährstoffdichten Futtermischungen die Anforderungen säugender Sauen erfüllen. Letztendlich muß leider auch der begrenzende Faktor 'Arbeitszeit während der Sommermonate' auf vielen Betrieben als Mitursache für mangelnde Sauenfruchtbarkeit diskutiert werden. In Gemischtbetrieben zeigt sich während der Sommermonate ein ‘Feldvirus’, der die verfügbare Zeit für die Stimulation, Belegung und Umrauscherkontrolle der Sauen auf wundersame Art und Weise erheblich reduziert.
Besondere Berücksichtigung muss auch der Fütterung die Sauen finden. Die hochtragende Sau darf keinesfalls zu fett in den Abferkelstall kommen. Hier ist ein geringer Futterverzehr während der Säugezeit und ein hoher Substanzverlust mit den entsprechenden Aus-wirkungen auf die Fruchtbarkeit vorprogrammiert. Im Laktationsfutter (min. 13 MJ ME) sollte neben der Stärke (max. 40 %) der weitere Hauptenergieträger aus Fetten bestehen. Die Umsetzung von Stärke für die Milchinhaltsstoffe ist mit einer hohen Wärmeproduktion der Sau verbunden. Die Abgabe dieser Stoffwechselwärme fällt der Sau in der wärmeren Jahreszeit sehr schwer, woraufhin sie den Futterverzehr einstellt. Die Verwertung von Ölen und Fetten dagegen fällt der säugenden Sau leichter. Die geschilderten Zusammenhänge belegen, daß es sich bei einer während der Sommermo-nate teilweise reduzierten Fruchtbarkeit der Sauen nicht um eine ‘natürliche Unfruchtbar-keit’ oder ein rudimentäres Verhalten unserer Hausschweine handelt. Durch verschiedene Managementmaßnahmen können wir proaktiv dem angeblichen Sommerloch entgegen-schreiten:
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