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Zucht auf robuste Schweine – Ökonomisch sinnvoll und züchterisch möglich ? Die Robustheit als generell neues Merkmal in der Tierzucht gewinnt zunehmend und schnell an Bedeutung. Der Grund dafür liegt auf der Hand: In der Schweinezucht sind in den letzten 30 Jahren große genetische Fortschritte vorrangig in Produktionsmerkmalen wie z. B. Wurfgröße, Zunahme, Futterverwertung und Fleischanteil erreicht worden. Um dieses steigende genetische Potential nutzen zu können, muss auch die Fütterung und das Produktionsmanagement diesem Trend folgen und die genetische Entwicklung bzw. deren Realisierung unterstützen. In der Praxis ist dies oftmals nicht der Fall. Die Produktion von schnell wachsenden, mageren, futtereffizienten Tieren kann zu Problemen in der Fitness und Vitalität führen. Beispiele aus allen Bereichen der Tierproduktion zeigen, dass oft die Bedingungen der Produktionsumwelt den Anforderungen dieser hoch produktiven Tiere nicht entsprechend genügen. Veränderungen in der Schweineproduktion
Schweineproduktion spielt sich zunehmend in immer größeren Einheiten ab. Wenn die Erhöhung der Bestandsgrößen nicht mit einer Erhöhung der Managementqualität einhergeht, kann dies dazu führen, dass gesundheitliche Probleme entstehen, Haltung und Fütterung aufgrund kostenorientiertem Design suboptimal sind und das Farmpersonal sich nicht mehr individuell um die Tiere kümmern kann. In der Konsequenz müssen Schweinezüchter - um langfristig am Markt bestehen zu können - eine Vielfalt von oft suboptimalen Umwelten berücksichtigen, in denen dennoch von den Schweinen optimale Leistungsfähigkeit erwartet wird. Robustheit als Zuchtziel
Als "robust" gelten Schweine, die ohne Probleme ein hohes Leistungspotential in einer Vielfalt von Umwelten realisieren. D. h. für die praktische Schweinezucht: Wie züchten wir Schweine, die unempfindlich gegenüber externen Stressfaktoren sind und gleichzeitig hohe Leistungen erbringen. Hierbei stellt sich die Frage, ob es einerseits ökonomisch sinnvoll und andererseits überhaupt genetisch möglich ist, robuste Schweine zu züchten. Zucht auf Robustheit
Nutzbare Merkmale als Indikatoren für die Überlebensrate der Ferkel bis zum Absetzen sind Totgeburtenrate, Verluste bis zum Absetzen, individuelles Geburtsgewicht, Krankheitsresistenz, Milchleistung und Mütterlichkeit. Für die Überlebensrate der Mastschweine lassen sich Verluste, Krankheitsresistenz und Hitzetoleranz nutzen. Die Anzahl von Würfen je Sau wird beeinflusst durch die Wurfnummer bei Abgang aus dem Bestand, Remontierungsrate, Krankheitsresistenz, Hitzetoleranz, Fundament- und Gesäugequalität. Marker gestützte Selektion
Situationen, in denen wie oben geschildert, die Erfassung bzw. Messung des Merkmals Schwierigkeiten bereiten, stellen den klassischen Fall für den Einsatz von genetischen DNA-Markern dar: Wenn einmal die Beziehung zwischen einem Selektionsmerkmal und einem Marker-Genotyp in einer Population quantifiziert worden ist, so kann der Marker-Genotyp der Folgegenerationen einfach mit Hilfe eines Labortests festgestellt werden und als Selektionskriterium genutzt werden. Dies ist möglich: In einem sehr frühen Alter (die Lebensleistung einer Sau kann lange vor ihrem letzten Wurf bestimmt werden), unabhängig von Umweltbedingungen (Krankheitsresistenz kann prognostiziert werden, ohne die Schweine mit Infektionen zu belasten) und es macht den gesamten Prozess schneller und weniger kompliziert. Marker gestützte Selektion erfordert drei Voraussetzungen: Erstens: Die Beziehung zwischen Marker Genotyp und Zuchtwertmerkmal muss sehr genau quantifiziert werden. Dies erfordert die Erfassung von vielen Daten über verschiedene Umwelten und eine gute statistische Analyse. Zweitens: Ein einzelner Marker ist in der Regel nur für einen kleinen Teil der Variation verantwortlich, d. h., es werden mehrere Marker in Kombination benötigt. Drittens: Die Beziehung zwischen Marker und Merkmal muss regelmäßig überprüft werden. Marker mit Vorteilen im jeweiligen Merkmal werden durch Selektion langfristig fixiert und verlieren ihren Informationswert, d. h., neue Marker müssen kontinuierlich entwickelt werden. Daher investiert PIC kontinuierlich in die Molekularbiologie zur Identifikation neuer Marker. Verbesserung der Robustheit: Herausforderungen für die Schweinezucht
Die Implementierung der Robustheit in die Zuchtziele eines Zuchtprogramms erfordert einige Voraussetzungen. Zuallererst werden relevante Daten benötigt. Da viele der konventionellen Fitness-Merkmale - wie erwähnt - stark durch die jeweilige Produktionsumwelt beeinflusst werden, macht es durchaus Sinn, diese auch dort zu erfassen. Kreuzungstiere sind hierfür die idealen Datenlieferanten, da mit Reinzuchttieren, die in der modernen Schweinezucht nur in der Vorstufe ihre Bedeutung haben, in der Regel nicht kommerziell produziert wird. Nichtsdestotrotz geht es allein darum, mit Hilfe dieser Kreuzungsdaten aus verschiedenen Umwelten Zuchtwerte für Nukleus-Reinzuchttiere zu schätzen, um so die nächste Generation von Nukleussauen und -ebern mit einem höheren genetischen Potential zu selektieren. Dies erfordert den Aufbau von Routinesystemen um a) kommerzielle Nachkommen mit Sperma von Nukleus-KB-Ebern auf Kundenebene zu produzieren, b) diese zu identifizieren und die relevanten Merkmale zu erfassen und c) sicherzustellen, dass die Daten zum Zeitpunkt der Selektion der Nukleuskandidaten für die Zuchtwertschätzung zur Verfügung stehen. Der organisatorische Aufwand für ein derartiges Programm kann für ein Unternehmen wie PIC, das sich im internationalen Markt bewegt, essentiell sein. PIC hat 2005 derartige Systeme, die es ermöglichen, Kreuzungsdaten in großer Vielfalt und nicht zuletzt für Merkmale der Robustheit zu nutzen, für Betriebe in den USA und in Europa implementiert. Mehrere Tausend Kreuzungssauen und ihre Nachkommen füllen täglich die Datenbasis mit ihren Leistungsdaten aus Ferkelproduktion, Mast und Schlachtung. Diese Daten tragen zur Zuchtwertschätzung der Reinzucht-Nukleustiere signifikant bei und ermöglichen heute eine Definition der Reinzucht-Zuchtziele auf Basis von kommerziellen Daten aus der Kundenebene. |
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