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31.05.2006
Zwei Jahrzehnte Nukleuszucht in Nordholz auf höchstem Niveau

Seit inzwischen über 20 Jahren wird in Nordholz bei Schafstedt in Schleswig-Holstein PIC-Nukleuszucht betrieben. Angefangen hat alles 1986 mit 300 Reinzucht-Sauen, aufgebaut aus dem damaligen Hyperprolific-Programm der PIC. Inzwischen sind es 340 Reinzucht-Sauen, allesamt PIC-Linie 03 (Large White).

Der Betrieb war vor 1986 ein Herdbuchbetrieb, bevor Hans-Ludwig Daniels (erster Ge-schäftsführer der PIC) diesen zusammen mit Dr. Dieter Klages kaufte. Zum Nukleusbetrieb Nordholz gehören die Schweinezucht Thomsen KG (Sauen und Flatdeck I – Betreiber Gün-ter R. Thomsen) sowie die Schweineaufzucht Daniels KG (Jungsauenaufzucht – Betreiber Hans-Christian Daniels, Sohn von Hans-Ludwig Daniels).

Im Laufe der letzten 20 Jahre wurden etliche Umbau- und Renovierungsmaßnahmen getätigt. Eine der ersten Aktionen war die Abschaffung der damals üblichen Halsrahmenanbindung. Die letzte Maßnahme war der Umbau des NT-Stalls zur Gruppenhaltung an Trockenfütterungsautomaten (Sattfütterung). Als nächster Schritt ist ein separater Jungsauenstall in Planung, wo dann die Remontierungssauen in punkto Fütterung, Belegung und Gruppenhaltung angepasster betreut werden können. Denn trotz bzw. auch wegen einiger Um- und Anbauten müssen bisweilen doch Kompromisse eingegangen werden, was die Mitarbeiter Andrej und Lilja Schefer mit Geschick wettmachen.

Betriebsleiter Andrej Schefer kümmert sich um Flatdeck, Jungsauenaufzucht und NT-Bereich, seine Frau Lilja ist zuständig für den Belege- und Abferkelbereich. Ein dritter Mitarbeiter ist in allen Bereichen tätig und übernimmt die Reparaturen.

Dass sie mit Verantwortungsbewusstsein bei der Sache sind, bekommt man schnell zu spüren, wenn man ihnen bei der Arbeit über die Schulter schaut. Denn trotz der guten Leistungen sehen sie immer wieder ein Schräubchen, an dem es sich zur Verbesserung drehen lässt. So kann man nachvollziehen, wenn einem Frau Schefer zu verstehen gibt, dass "jede umrauschende Sau ihr die Laune für den Tag verdirbt", da sie sich fragt, was sie denn falsch gemacht haben könnte. 7,0 % Umrauscher bei 100 % KB-Anteil können sich dann auch wirklich sehen lassen. Die Belegungen ab dem zweiten Wurf erfolgen dabei im Kastenstand mit Besamungsgurt, während ein Stimuliereber im Futtergang zugegen ist. Jungsauen werden jedoch vor der Eberbucht einzeln – und nicht mit Besamungsgurt – be-samt. Jungsauen werden in der Regel in der zweiten Rausche nach der Umstallung besamt, so kommt ein Erstbelegealter von 240 Tagen zustande. 12,4 gesamt geborene Ferkel bei Altsauen und 13,3 bei Jungsauen sind die Leistungen in den letzten zwölf Monaten, mit Reinzucht-Sauen wohlgemerkt. Diese Jungsauenleistungen spiegeln den Zuchtfortschritt der PIC-Genetik wider, denn diese Jungsauen repräsentieren die jüngste Generation und somit den "genetisch letzten Stand". Nach 21 Tagen erfolgt die übliche Umrauschkontrolle und nach vier Wochen dienstags der Trächtigkeitstest mit dem betriebseigenen Scanner. Gefüttert wird per Hand, so hat man die Kondition und das Fressverhalten laufend im Blick.

Alle positiv getesteten Sauen kommen dann am nächsten Tag in die NT-Gruppenhaltung. Um den Stress und die Rangkämpfe beim Zusammenstellen zu verringern, erhalten die Sauen eine "Parfümdusche", so dass nur sehr wenig durch die Gruppenhaltung verursachte Ausfälle aufgrund von Fundamentschäden zu verzeichnen sind. Es ist schon auffallend, wie ruhig es in dem großen Wartestall mit den rund 170 Tieren ist. Betritt man den Raum, so hört man selten das sonst übliche aufgeschreckte "Bellen", die meisten Sauen bleiben ruhig liegen. Dies zeigt sich auch an den Ergebnissen der Erfassung von Verhaltensmerkmalen für das PIC-Zuchtprogramm, nur äußerst selten muss Lilja Schefer eine andere Bewertung als "normal" vergeben, nur vereinzelt muss sie eine Sau als auffällig ängstlich oder aggressiv in der Gruppe bewerten.

Zwei Wochen vor dem errechneten Abferkeltermin erhalten die Sauen eine stallspezifische Coli-Vakzine und eine Woche später werden sie dann in die Abferkelung umgestallt. Dort erhalten sie bis zur Abferkelung Laktationsfutter (Volumendosierer), jedoch höchstens die Hälfte der Maximalration. Einen Tag vor der Abferkelung reduziert Lilja Schefer die Futtermenge auf ein Viertel der Höchstration. Um den Sauen eine ausreichende Wasseraufnahme zu ermöglichen, lässt Frau Schefer zu jeder Mahlzeit zunächst über den zusätzlichen Wasserzulauf im Trog Wasser einlaufen und öffnet erst dann die Futterdosierer. So bekommen die Sauen eine Futtersuppe, die sie zügig aufnehmen können. Damit ist sichergestellt, dass auch die ferkelführenden Sauen genügend Flüssigkeit für eine entsprechende Milchproduktion zu sich nehmen, denn oft sind diese Sauen einfach zu "faul und träge", um sich über die Nippeltränke zu versorgen. Dass Milchmangel und MMA-Probleme überaus selten auftreten, führt Lilja Schefer auch auf dieses Fütterungssystem zurück. Zwei Tage vor dem Absetzen wird die Futtermenge von der Höchstmenge über die Hälfte bis hin zu einem Viertel am Absetztag reduziert. Am Absetztag gibt es dann außer Wasser nichts mehr.

Eine Woche vor dem Absetzen erhalten die Ferkel die Viehverkehrsohrmarke und die Zucht-ferkel werden tätowiert. Die abgesetzten Ferkel kommen zunächst für drei Wochen in das so genannte "Absetzflatdeck". Hier steht für jeden abgesetzten Wurf eine Bucht zur Verfügung. Anschließend wandern die Läufer über Flatdeck II, Aufzucht I in Aufzucht II. In den Flatdecks und in Aufzucht I wird trocken über Automaten gefüttert, in der Aufzucht II ist eine vollauto-matische Flüssigfütterung installiert.

Seit Sommer vergangenen Jahres wird der Betrieb Nordholz aus der PIC-GFS-Kooperationsstation "Herringer Heide" beliefert. Nach anfänglichen Bedenken aufgrund des langen Transportweges im Vergleich zum vorherigen Lieferanten, der nur 65 Kilometer entfernten PIC-Besamungsstation Alt Bokhorst, geben die Leistungen des letzten Jahres allen Anlass zur Zufriedenheit, mit ganz klar weiter steigender Tendenz in den letzten 6 Monaten (siehe Tabelle): 7,6 % Umrauscher, 11,7 lebend geborene Ferkel je Wurf (12,5 je Jungsauenwurf) und 10,3 abgesetzte Ferkel/Wurf (11,2 je Jungsauenwurf) im letzen Jahr. Dahinter steckt sicher die hohe Leistungsfähigkeit der PIC-Genetik und repräsentiert den Zuchtfortschritt, aber auch das Engagement und optimale Management der drei Mitarbeiter sowie der Einsatz von "High Health Semen", denn auch die Eberstation "Herringer Heide" unterliegt dem Gesundheitsmonitoring der PIC.

Aus Nordholz werden sechs Vermehrer in Schleswig-Holstein und Niedersachsen sowie rund 20 Kunden (Ferkelerzeuger und Closed-Herd-Betriebe in Schleswig-Holstein, Nieder-sachsen und Nordrhein-Westfalen) mit PIC-Großelternsauen beliefert, d. h. Nordholz steht genetisch an der Spitze von über 2.300 Vermehrungs- und rund 7.000 Kundensauen und gibt Zuchtfortschritt an diese weiter. Dass dies funktioniert, zeigen die Leistungen der ange-schlossenen Vermehrer, die ebenso wie der Betrieb Nordholz in der weltweiten PICtraq™-Datenbank erfasst und ausgewertet werden. Vermehrer der Nordholz-Pyramide erreichten in den vergangenen zwölf Monaten 24,5 abgesetzte Ferkel je Sau und Jahr, die Top 25 % sogar 26,6 abgesetzte Ferkel.


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