Einfluss der jüngsten Zuchtfortschritts
In den letzten zehn Jahren hat die Genomik die Fortschritte in der Schweinezucht beschleunigt und eine präzisere Selektion wichtiger Merkmale ermöglicht – etwa Ferkelüberleben, Geburtsgewicht und sogar Verhaltensaspekte. Diese Entwicklung hat das Profil der Jungsauen für die Remontierung grundlegend verändert: Heute sind sie magerer, wachsen schneller und bringen größere Würfe zur Welt.
Das stellt Techniker und Betriebe unmittelbar vor neue Anforderungen: Die bisherigen Parameter für die Jungsauenaufzucht müssen korrigiert und Zielwerte für Körpergewicht, Alter bei der ersten Belegung, Fütterung und Management müssen an die neuen Rahmenbedingungen angepasst werden, um Leistungseinbußen zu vermeiden und die Nutzungsdauer der Sauen im Betrieb zu verbessern.

Mehr lebend geborene Ferkel – höherer Milchbedarf
Eines der wichtigsten Ziele des genetischen Fortschritts war es, die Anzahl der Ferkel mit einem Geburtsgewicht unter 900 Gramm zu reduzieren, da diese Gruppe eine höhere Saugferkelsterblichkeit und schlechtere Leistungen bis zur Mast aufweist. Gleichmäßigere Würfe mit besseren Startgewichten haben einen unmittelbaren Effekt: Die Sau muss deutlich mehr Milch produzieren.
In diesem Kontext kann die moderne Sau praktisch, wie eine Milchkuh betrachtet werden. Werden die Gehalte an verdaulichem Lysin und Energie im Futter nicht angepasst, führt der Konditionsverlust in der Säugezeit zu Reproduktionsproblemen und verkürzt die produktive Lebensdauer der Sauen. Nach aktuellen Prognosen steigt der Bedarf an verdaulichem Lysin durch genetische Verbesserung im Durchschnitt um 0,47 g/Tag und Jahr, davon entfallen 0,37 g/Tag speziell auf die Laktationsphase.
Die Herausforderungen durch die höheren Zunahmen in der Jungsauenaufzucht
Daten zeigen, dass heutige weibliche Tiere in der Jungsauenaufzucht tägliche Zunahmen von 700 bis 900 g erreichen. Dieser Bereich, der auf den ersten Blick günstig erscheint, birgt erhebliche Risiken.
- Bei 700 g/Tag bietet sich die Möglichkeit, das Alter bei der ersten Belegung zu senken, ohne die strukturelle Entwicklung zu beeinträchtigen.
- Bei 900 g/Tag steigt dagegen die Wahrscheinlichkeit, dass die Tiere mit zu hohem Körpergewicht und geringerer Körperfettreserve belegt werden – mit mehr Klauen- und Gliedmassenproblemen, einem höheren Risiko für frühes Ausmustern und einer geringeren Nutzungsdauer in der Herde.
Die aktuelle Empfehlung lautet, Jungsauen mit 135 bis 160 kg in der zweiten Rausche zu belegen. Ein Gewicht bei Erstbelegung über 165 kg erhöht die Futterkosten und steigert das Risiko für Reproduktionsstörungen und Lahmheiten.
Praktische Strategien zur Wachstumssteuerung
Die Kontrolle der Futteraufnahme ist in Gruppenbuchten schwierig; das wirksamste Instrument ist daher die Gestaltung von Rationen mit geringerer Energiedichte und höherem Faseranteil ab 60 kg Lebendgewicht. Ziel ist es, das Wachstum zu dämpfen, ohne die Strukturentwicklung zu beeinträchtigen, und gleichzeitig die Entwicklung des Verdauungstrakts zu unterstützen.
Untersuchungen zeigen, dass diese Strategie die Leistung pro Wurf nicht mindert, jedoch die Verbleiberate der Sauen bis zur vierten Parität verbessert – mit Unterschieden von bis zu +8 % bei der Langlebigkeit. Der wahrscheinlichste Mechanismus ist eine höhere Futteraufnahmekapazität in der Laktation, was den Konditionsverlust reduziert und die Reproduktionsleistung verbessert.
Mineralstoffe, Fundamente und Nutzungsdauer
Das beschleunigte Wachstum belastet zudem stärker den Bewegungsapparat. Weibliche Tiere priorisieren Wachstum gegenüber Mineralisierung, was das Risiko für Osteochondrose und Fundamentprobleme erhöht. Es wird empfohlen, die Ration so anzupassen, dass der Phosphorgehalt etwa 8 % höher liegt als bei Mastschweinen, in Kombination mit passenden Calciumverhältnissen, um eine bessere Knochenmineralisierung zu gewährleisten.
Diese fütterungsseitige Anpassung – zusammen mit einer gezielten Steuerung der Wachstumsrate – ist ein zentrales Instrument, um die Nutzungsdauer im Betrieb abzusichern.
Auf dem Weg zu einer effizienteren Remontierung
Die genomische Ära bringt Tiere mit einem bislang unerreichten Leistungspotenzial hervor – zugleich aber Tiere, die empfindlicher auf Management- und Fütterungsfehler reagieren. Regelmäßige Kontrollen von Körpergewicht und täglichen Zunahmen, die Anpassung der Rationen an die tatsächliche Fruchtbarkeit sowie die ausreihende Entwicklung der Körperstruktur/-kondition sowie Mineralisierung sind zu grundlegenden Säulen geworden, um Produktivität und langfristige Effizienz sicherzustellen.
Zu Gast
Dr. Jordi C. Montoro ist Tierarzt und hat an der Autonomen Universität Barcelona studiert, wo er später gemeinsam mit Teagasc (Irish Food Agriculture Development Authority) und dem AFBI (Agri-Food Bioscience Institute, Nordirland) promovierte. Er spezialisierte sich auf Fütterungs- und Managementstrategien zur Effizienzsteigerung in der Mast. Während seiner Ausbildung absolvierte er Praktika bei führenden Einrichtungen wie der Genossenschaft Ivars sowie bei Schothorst Feed Research in den Niederlanden. Derzeit ist er Teil des globalen Nutrition-Teams von PIC und verantwortet Europa, Russland und Südafrika. Dort verbindet er angewandte Forschung, internationale technische Beratung und die Zusammenarbeit mit Universitäten, Futtermittelunternehmen und Integratoren. Seine Erfahrung vereint Genetik, Fütterung und Management unter kommerziellen Bedingungen und gibt eine zentrale Perspektive auf Remontierung und Langlebigkeit hochfruchtbare Sauen in der genomischen Ära.
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