Mit dem Sauen-Caliper Veränderungen der Körperkondition während der Laktation verstehen 

Von Julia Adriana Calderón Díaz (Prowess Bioscience Ltd) und Craig Lewis (PIC Europe) 

Der Sauen-Caliper entwickelt sich zu einem nützlichen Instrument, um Veränderungen der Körperkondition zu messen und fundierte Entscheidungen bei Fütterung und Management zu unterstützen. 

Die Körperkondition ist einer der praktischsten Indikatoren dafür, ob eine Sau entsprechend ihren physiologischen Bedürfnissen ernährt wird. Sie spiegelt das Gleichgewicht zwischen Nährstoffaufnahme, Mobilisierung von Körperreserven, Wachstum, Anforderungen der Laktation und Erholung vor dem nächsten Reproduktionszyklus wider. 

„Dies ist besonders bei Jungsauen nach dem ersten Wurf wichtig, da sie noch wachsen und gleichzeitig ihren ersten Wurf versorgen. Dadurch sind sie während der Laktation besonders anfällig für einen übermäßigen Verlust an Körperreserven“, erklärt Julia Adriana Calderón Díaz von Prowess Bioscience. 

„Kommt eine Sau zu dünn in den Abferkelstall, verfügt sie möglicherweise nur über begrenzte Reserven für die Milchproduktion, und es ist kaum möglich, die verlorene Körpersubstanz nach dem Absetzen zu ersetzen. 

„Kommt sie zu fett in den Abferkelstall, kann ist das Management ebenfalls herausfordernd. Durch eine schlechtere Futtereffizienz und Einschränkungen der Mobilität ist es schwieriger die Sau über mehrere Zyklen hinweg im gewünschten Körperkonditionsbereich zu halten. Ein gutes Management der Körperkondition unterstützt die Laktationsleistung, die Erholung vor dem nächsten Reproduktionszyklus, das Tierwohl und die langfristige Nutzungsdauer der Sau.“ 

In der Praxis wird die Körperkondition von Sauen häufig visuell anhand verschiedener Bewertungsskalen beurteilt. Diese Methoden sind praktisch und schnell. Die Definitionen der einzelnen Bewertungsstufen können jedoch von Person zu Person variieren. Auch dieselbe beurteilende Person kann die Kondition je nach Körperhaltung der Sau, Lichtverhältnissen, Zeitdruck oder Anzahl der zu beurteilenden Tiere unterschiedlich bewerten. Dies ist besonders relevant, wenn nicht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt eingestuft, sondern auch ihre Veränderung der Körperkondition über die Zeit verfolgt werden soll.

Der Caliper 

In den vergangenen Jahren haben Zuchtunternehmen und Produktionsberater zunehmend standardisierte Ansätze zur Überwachung der Körperkondition von Sauen propagiert, darunter den Einsatz eines Calipers zur Beurteilung der Körperkondition.

Dies ist Teil einer allgemeinen Entwicklung hin zu praktischen, wiederholbaren Messungen als Grundlage für Fütterungs- und Managemententscheidungen. 

Der Caliper bietet eine einfache Möglichkeit, die Beurteilung der Körperkondition objektiver und wiederholbarer zu gestalten. Er ist schnell anzuwenden, lässt sich leicht in den Betriebsablauf integrieren und liefert eine objektivere Messung als eine rein visuelle Beurteilung. Der Caliper wird im Bereich der letzten Rippe der Sau angesetzt, um die Winkelung des Rückens zu bestimmen. Daraus ergibt sich ein Messwert, mit dem Sauen den verschiedenen Körperkonditionskategorien zugeordnet werden können. 

Bei einmaliger Anwendung liefert der Caliper eine Momentaufnahme der Körperkondition. Bei wiederholter Anwendung zeigt er, wie sich die Kondition über die verschiedenen Produktionsphasen verändert. Dies ist besonders während der Laktation hilfreich, wenn mit Veränderungen der Körperreserven zu rechnen ist, deren Richtung, das Ausmaß und die Folgen dieser Veränderungen jedoch zwischen den einzelnen Sauen erheblich variieren können.

Untersuchung 

Um dies unter Praxisbedingungen zu untersuchen, wurden Caliper-Daten von 1.424 erstlaktierenden PIC Camborough-Sauen ausgewertet, um die Veränderungen der Körperkondition während der Laktation zu messen. Die Daten wurden in einem Praxisbetrieb erhoben, in dem der Caliper routinemäßig zur Überwachung der Körperkondition eingesetzt wurde. Die Analyse konzentrierte sich auf die Veränderungen vom Einstallen in den Abferkelbereich bis zum Absetzen. Berücksichtigt wurden sowohl die durchschnittliche Veränderung des Caliper-Werts als auch die Übergänge zwischen den Körperkonditionskategorien. 

Insgesamt verloren die Sauen während der Laktation 5 % ihrer Körperkondition, gemessen in Caliper-Einheiten. Durchschnittswerte können jedoch erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Tieren verbergen. Um zu verstehen, was diese Veränderung in der Praxis bedeutete, wurde daher betrachtet, mit welcher Kondition die Sauen starteten und in welcher Kondition sie die Laktation beendeten. 

Beim Einstallen in den Abferkelbereich wurden die meisten Sauen entweder als ideal konditioniert (56,1 %) oder als fett (29,9 %) eingestuft. Bis zum Absetzen hatte sich die Verteilung verschoben. Der Anteil ideal konditionierter Sauen stieg auf 62,1 %, während der Anteil der als fett eingestuften Sauen auf 14,5 % sank. Dies deutet darauf hin, dass sich viele Tiere während der Laktation in Richtung einer wünschenswerteren Körperkondition entwickelten. 

Gleichzeitig verdoppelte sich der Anteil der unterkonditionierten Sauen bis zum Absetzen nahezu. Dies zeigt, dass ein relevanter Anteil der Tiere so viel Kondition verlor, dass die Laktation unterhalb des Zielbereichs beendet wurde (Abbildung 1). Tatsächlich unterschied sich die individuelle Veränderung des Caliper-Werts erheblich. Einige Sauen verloren bis zu 40 % ihres ursprünglichen Caliper-Werts, während andere bis zu 30 % zunahmen (Abbildung 2). 

Abbildung 1. Verteilung der mit dem Caliper bestimmten Körperkonditionskategorien beim Einstallen in den Abferkelbereich und beim Absetzen

Definitionen der Caliper-Kategorien: 

Sehr dünn = ≤8 Caliper-Einheiten | Unterkonditioniert = 9–12 
Ideal = 13–15 | 
Fett = 16–18 | Adipös = >18 

Abbildung 2: Verteilung der prozentualen Veränderung des Caliper-Werts vom Einstallen in den Abferkelbereich bis zum Absetzen bei erstlaktierenden Sauen.

Obwohl die durchschnittliche Veränderung bei etwa -5 % lag, bestanden erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Sauen. Einige verloren mehr Kondition, andere nahmen an Kondition zu. 

Veränderungen während der Laktation 

Eine genauere Betrachtung der Übergänge einzelner Sauen von einer Körperkonditionskategorie in eine andere während der Laktation zeigte, dass nahezu 40 % der Sauen in der anzustrebenden Kategorie “ideal” blieben.  

Nahezu 20 % der Sauen wechselten, durch eine kontrollierte Mobilisierung von Körperreserven während der Laktation von “fett” zu “ideal”. Dagegen waren mehr als 13 % der idealen und mehr als 3% der fetten Sauen am Ende der Laktation unterkonditioniert, was auf einen starken Abbau von Körperreserven während der Laktation hindeutet (Abbildung 3). 

Nicht alle Veränderungen der Körperkondition endeten in einer niedrigeren Kategorie. Rund 6 % der Sauen wechselten von unterkonditioniert zu ideal, weitere 6 % wechselten von ideal zu fett, und eine kleinere Gruppe entwickelten sich in Richtung der adipösen Kategorie. 

Diese Veränderungen zeigen, dass nicht jeder Konditionsverlust negativ und nicht jede Konditionszunahme positiv ist. 

Abbildung 3: Übergänge der mit dem Caliper bestimmten Körperkondition vom Einstallen in den Abferkelbereich bis zum Absetzen bei erstlaktierenden Sauen.

Die Werte zeigen den prozentualen Anteil aller Sauen in der jeweiligen Übergangsgruppe. Die Farben geben eine allgemeine Einordnung des Übergangs im Verhältnis zum angestrebten Körperkonditionsbereich wieder.  

Hinweis: In dieser Auswertung wurden für die Einordnung der Konditionsveränderungen während der Laktation die bisherigen Caliper-Kategorien verwendet („Ideal“ = 13–15 Caliper-Einheiten). Die aktuellen PIC-Empfehlungen zum Management der Körperkondition basieren auf den aktualisierten Caliper-Kategorien und Zielbereichen. Weitere Informationen dazu finden Sie im Artikel https://www.picdeutschland.de/resources/caliper-und-fuetterungsempfehlungen-fuer-pic-sauen-aktualisiert/.

Informationen für das Management 

Durch die Betrachtung dieser Übergänge, können Aufzeichnungen zur Körperkondition in konkrete Managementempfehlungen umgewandelt werden. So wird sichtbar, welche Gruppen möglicherweise genauer beobachtet werden müssen. 

Dies kann gezieltere Managementgespräche über die Fütterung während der Laktation, die Futteraufnahme, die Anforderungen des Wurfs, die Entwicklung von Jungsauen und die Regeneration vor der nächsten Belegung unterstützen. 

Ein einfacher Rahmen zur Interpretation ist nachfolgend dargestellt: 

Caliper-Übergang Interpretation Möglicher Managementschwerpunkt 
Ideal → Ideal Zielkondition gehalten 
Aktuellen Ansatz bei Fütterung und Laktationsmanagement beibehalten 
Fett → IdealKontrollierte Mobilisierung
Kontrollieren, dass der Verlust nicht zu stark ist; aktuellen Ansatz beibehalten, wenn Regeneration und Reproduktionsleistung angemessen sind
Ideal → Unterkonditioniert Verlust ausgehend von der Zielkondition Futteraufnahme während der Laktation, Wurfgröße beziehungsweise (Säuge-)Belastung prüfen und beurteilen, ob bereits früher in der Laktation zusätzliche Unterstützung erforderlich ist 
Fett → Unterkonditioniert Starker Konditionsverlust 
Futteraufnahme, Gesundheit und Belastung durch den Wurf prüfen sowie beurteilen, ob ein Wurfausgleich oder eine engmaschigere Überwachung erforderlich ist 
Unterkonditioniert → Ideal Erholung oder Verbesserung 
Futteraufnahme, Wurfgröße und Gesundheitsstatus mit unterkonditionierten Sauen vergleichen, die sich nicht erholt haben 
Unterkonditioniert → Unterkonditioniert Anhaltendes Risiko  Während der Laktation als Hochrisikogruppe kennzeichnen; Futteraufnahme unterstützen, Wurfmanagement und eine engmaschige Kontrolle vor dem Absetzen erwägen 
Ideal → Fett / Adipös Entwicklung in Richtung ÜberkonditionierungFuttermeng prüfen und beurteilen, ob die Aufnahme zu den Anforderungen der Laktation und den Konditionszielen passt 

Diese Ergebnisse zeigen, dass der Caliper den größten Nutzen bietet, wenn die Messwerte zur Unterstützung von Entscheidungen verwendet werden und nicht lediglich zur Beschreibung der Körperkondition zu einem einzelnen Zeitpunkt. 

Messungen beim Einstallen in den Abferkelbereich und beim Absetzen geben einen hilfreichen Überblick darüber, wie sich die Körperkondition während der Laktation verändert. Eine zusätzliche Kontrolle in der Mitte der Laktation bei Tieren mit höherem Risiko kann helfen zu beurteilen, ob die aktuelle Managementstrategie funktioniert, solange noch Zeit für Anpassungen besteht. Dazu gehören unterkonditionierte Sauen, Sauen mit großen Würfen oder Gruppen, bei denen vorherige Partien einen übermäßigen Konditionsverlust zeigten. 

Auch auf Herdenebene können Caliper-Daten gezieltere Auswertungen unterstützen. Sobald die Körperkondition konsequent erfasst wird, können die Ergebnisse nach Wurfnummer, Gruppe, Fütterungsgruppe, Wurfgröße oder Ausgangskategorie der Körperkondition zusammengefasst werden. 

So können Erzeuger und Berater objektiv beurteilen, ob die Herde dünn oder schwer erscheint, und konkretere Fragen stellen: Welche Sauen verändern sich, wie stark verändern sie sich und bewegen sie sich auf den gewünschten Konditionsbereich zu oder davon weg? 

Für Betriebe, die den Caliper noch nicht routinemäßig einsetzen, muss der Einstieg nicht kompliziert sein. Bereits konsequente Messungen zu wichtigen Zeitpunkten, eine klare Dokumentation der Ergebnisse und die Auswertung von Mustern zwischen Gruppen können wertvolle Informationen liefern. 

Das Ziel besteht nicht darin, mehr Daten um ihrer selbst willen zu erfassen, sondern Veränderungen der Körperkondition leichter interpretierbar zu machen und Handlungen daraus abzuleiten. 

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Ihren PIC Account Manager.