Jungsauen erfolgreich aufziehen: Ernährung & Management für lange Leistung 

Die Langlebigkeit der Sau beginnt in der Jungsauenaufzucht

Die Sauensterblichkeit ist weltweit gestiegen, was die Notwendigkeit unterstreicht, Management- und Ernährungsstrategien bereits in den frühen Aufzuchtphasen zu optimieren, um die reproduktive Langlebigkeit zu verbessern. In den vergangenen zehn Jahren gab es wesentliche Verbesserungen der Reproduktionsleistung von Sauen, wodurch eine präzisere Fütterung erforderlich wurde, die den Bedarf für Erhaltung, Wachstum, Trächtigkeit und Gesäugeentwicklung angemessen deckt. Gleichzeitig hat der genetische Fortschritt in den Mutterlinien zu höheren Körpergewichten (KG) bei gleichem Erstbelegealter geführt. Bei einem Erstbelegealter von 210 Tagen lag 2014 das geschätzte KG 2014 bei 144 kg. Elf Jahre später (2025) wurden bei gleichem Alter ein durchschnittliches KG von 159 kg erreicht. Infolgedessen ist der Anteil der Sauen, die oberhalb des empfohlenen Schwellenwerts von 160 kg besamt werden, von 10,5 % auf mehr als 50 % gestiegen (Abbildung 1). 

Abbildung 1. Einfluss des steigenden Wachstumspotenzials auf das Körpergewicht bei der ersten Belegung (Orlando et al., 2022). 

Körpergewicht bei der ersten Belegung und Risiko des Abgangs 

Verschiedene Studien haben das KG während der Aufzucht als einen entscheidenden Faktor für die reproduktive Langlebigkeit identifiziert. Patterson et al. (2020) zeigten, dass Jungsauen, die mit mehr als 160 kg erstmals belegt wurden, höhere Remontierungsraten aufweisen. Eine aktuelle Studie von SEGES zeigte, dass ein Gewicht über 164 kg das Risiko für Abgang oder Mortalität im Vergleich zu leichteren Sauen um das 1,39-fache erhöht. 

Lahmheiten sind in diesen Fällen eine der Hauptursachen für den Abgang, was die Empfehlung stützt, ein KG von über 160 kg bei der ersten Belegung zu vermeiden. Darüber hinaus bleiben Sauen, die mit höherem Gewicht besamt werden, tendenziell auch in späteren Paritäten schwerer, was ihren Erhaltungsenergiebedarf und damit die Futteraufnahme erhöht. 

Obwohl das individuelle Wiegen unter Praxisbedingungen unpraktisch sein kann, ist es wesentlich, das durchschnittliche Gruppen-KG bei der ersten Besamung zu kontrollieren. Ein Gewichtsmaßband (Flanke-zu-Flanke-Messung) ermöglicht hier praktikable Messung. Bei Kenntnis von KG und Alter bei der ersten Belegung kann die durchschnittliche tägliche Zunahme (LTZ, g/Tag) während der Jungsauenaufzucht ermittelt werden. Diese sollte zwischen 600 und 800 g/Tag liegen. 

Ist das Gewicht bei der Besamung hoch, die LTZ jedoch im angestrebten Bereich, kann eine Reduzierung des Erstbelegealters als Anpassung in Betracht kommen. 

Ernährungsstrategien zur Steuerung des Wachstums 

Zwei aktuelle Studien untersuchten die Steuerung des Wachstums während der Jungsauenaufzucht durch Veränderungen in der Fütterung und deren Einfluss auf die Langlebigkeit bis zum 4. Abferkeln (Tsai et al., 2023; Leiva et al., 2025). 

In beiden Studien zeigten Sauen, die mit Rationen geringerer Nährstoffdichte gefüttert wurden, niedrigere LTZ und eine schlechtere Futterverwertung während der ersten Aufzuchtphase bis zum Zeitpunkt der Selektion. Die eingesetzten Rationen hatten durch geringere Energiegehalte, höhere NDF-Gehalte, niedrigere Aminosäurengehalte und ein niedrigeres Trp:Lys-Verhältnis. Allerdings zeigten diese Sauen tendenziell ein kompensatorisches Wachstum, wenn sie bis zur ersten Belegung eine gemeinsame Standardration erhielten. Sie erreichten ähnliche KG, ohne dass eine wirksame Kontrolle des Gewichts bei Erstbelegung oder Unterschiede in der späteren Reproduktionsleistung erzielt wurden. Dennoch erhöhte sich bei Sauen, die in der ersten Aufzuchtphase mit Rationen geringerer Nährstoffdichte gefüttert wurden, die Verbleiberate bis zum 4. Wurf um 8 %, was eine interessante Strategie zur Maximierung der Herdenlanglebigkeit darstellen kann (Leiva et al., 2025). 

Aufnahmekontrolle als Managementinstrument 

Ein weiterer Ansatz zur Steuerung des Wachstums in der Aufzucht ist die Kontrolle der Futteraufnahme. In einem Versuch mit Ebern einer Duroc-Linie wurde eine Gruppe ad libitum gefüttert, eine andere restriktiv. Ziel war, zwischen der 20. und 28. Lebenswoche eine LTZ von 500 g/Tag zu erreichen. 

Die Eber mit kontrolliertem Wachstum zeigten eine geringere Lahmheitsinzidenz und eine höhere Verbleiberate in Besamungsstationen, ohne dass die Spermaqualität beeinträchtigt wurde (Lu et al., 2022). Dies könnte darauf hindeuten, dass die Steuerung des Wachstums über die Kontrolle der Futteraufnahme eine praktikable Strategie zur Verbesserung von Langlebigkeit und Reproduktionsleistung auch bei Sauen sein könnte. 

Skelettentwicklung und physikalische Eigenschaften des Futters 

In diesem Zusammenhang ist ein weiterer zentraler ernährungsphysiologischer Aspekt die Sicherstellung einer angemessenen Skelettentwicklung während der Aufzucht. In diesem Zusammenhang kann es empfehlenswert sein, die Phosphorgehalte in Rationen für junge Sauen um etwa 8 % über das Niveau von Aufzucht- bzw. Mastrationen anzuheben, um die Knochenmineralisierung zu maximieren. Die Optimierung der strukturellen Integrität in dieser Phase ist wesentlich, um das Lahmheitsrisiko zu senken und die Langlebigkeit über das gesamte produktive Leben zu verbessern. Ebenso sollten die physikalischen Eigenschaften des Futters berücksichtigt werden. Partikelgrößen zwischen 750 und 900 µm sind mit einer geringeren Inzidenz von Magengeschwüren verbunden, also einer besseren Darmgesundheit langfristigen Produktivität. 

Die Rolle von Management und Umwelt für die zukünftige Produktivität 

Ernährung allein ist jedoch nicht ausreichend; Management und Umweltbedingungen spielen eine grundlegende Rolle. Geburtsgewicht, Kolostrumaufnahme und Wachstum vor dem Absetzen stehen in positivem Zusammenhang mit der Reproduktionsleistung im Erwachsenenalter und mit der Langlebigkeit von Sauen (Flower et al., 2025). Während der Aufzucht ist es wesentlich, für eine angemessene Besatzdichte, einen Bodenbelag, der Verletzungen minimiert, ausreichenden Fressplatz und eine ausreichende Zahl an Tränken, ein korrektes Gruppenmanagement und eine kontinuierliche Gesundheitsüberwachung zu sorgen, um die Entwicklung und reproduktive Reife der zukünftigen Zuchtsau zu fördern. Darüber hinaus sind die Erfassung der Rausche und das Verschieben der Belegung bis zur zweiten Rausche – oder auch bis zur dritten, wenn das Zielgewicht nicht erreicht wurde – mit einer höheren reproduktiven Langlebigkeit verbunden (Patterson et al., 2020; 2025), siehe auch Tabelle 1. 

Tabelle 1: Haltungsempfehlungen für die Jungsauenaufzucht 

Aufzucht: eine kritische Phase für den langfristigen Erfolg 

Im Allgemeinen können suboptinale Bedingungen während der Aufzucht die zukünftige Produktivität relativ leicht beeinträchtigen. Jungsauen sind keine Masttiere, sondern Zuchttiere mit hohem genetischem und wirtschaftlichem Wert; daher haben Managementfehler in dieser Phase langfristige produktionstechnische Folgen. 

Fazit 

Zusammenfassend ist ein ganzheitlicher Ansatz, der Ernährungsstrategie, Skelettentwicklung, Reproduktionsmanagement und optimierte Umweltbedingungen während der Aufzucht bis zur ersten Belegung integriert, wesentlich, um die reproduktive Langlebigkeit und die Produktionseffizienz von Sauen in modernen Produktionssystemen zu optimieren.