Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft: Die Tierzucht ist Teil der Lösung

Die Welt steht vor einer Vielzahl von ökologischen Herausforderungen, die sich auf unser aller Zukunft auswirken. Als dynamisches landbasiertes Unternehmen bietet die Landwirtschaft die Möglichkeit, den Boden zu verbessern, Kohlenstoff zu binden, Wasser zu speichern und zu filtern und gleichzeitig Nahrungsmittel zu produzieren. Die Wahl des richtigen Tieres, das gesund, robust und leistungsfähig ist, ist jedoch entscheidend für eine nachhaltige Proteinproduktion und die Fähigkeit, die Landwirtschaft als Teil der Lösung zu nutzen.

„Nachhaltigkeit“ – nicht wirklich ein neues Thema

„Nachhaltigkeit“ ist in aller Munde, eine „nachhaltige Landwirtschaft“ wird gefordert, und in einigen Ländern steht eine sogenannte „Umstellung der Tierhaltung auf mehr Nachhaltigkeit“ auf der Tagesordnung. Aber was verstehen wir unter „nachhaltiger Landwirtschaft“?

Bereits 1990 wurde dies im US Farm Bill definiert: „Nachhaltige Landwirtschaft ist ein „integriertes System pflanzlicher und tierischer Produktionsverfahren, die standortspezifisch angewandt werden und langfristig (a) den menschlichen Bedarf an Nahrungsmitteln und Fasern decken, (b) die Umweltqualität verbessern, (c) nicht-erneuerbare Ressourcen und die Ressourcen des Betriebs effizient nutzen und geeignete natürliche biologische Kreisläufe und Kontrollen integrieren, (d) die wirtschaftliche Lebensfähigkeit des Betriebs erhalten und (e) die Lebensqualität der Landwirte und der Gesellschaft insgesamt verbessern.“

Einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten

Die gute Nachricht ist, dass wir alle zur Verbesserung der Nachhaltigkeit beitragen können. Vor allem in der Tierhaltung und Tierzucht wird diese Diskussion geführt und das Thema aktiv angegangen. Das Ziel der „Nachhaltigkeit“ in diesen Bereichen ist nicht so neu, wie es in der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Diskussion gerne dargestellt wird. Denn die effiziente Veredelung von Rohstoffen, die wir nicht selbst nutzen können (z.B. Gras, Lebensmittelabfälle) und die Sicherstellung einer ausreichenden und gesunden Ernährung der Bevölkerung ist das grundsätzliche Ziel der Nutztierhaltung.

Dennoch stellt sich die Frage, wie sich ein moderner landwirtschaftlicher Betrieb in dieser Hinsicht positioniert. Nur so kann eine kontinuierliche Verbesserung funktionieren. Und ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn manchmal gibt es Zielkonflikte, zum Beispiel zwischen der Forderung nach mehr Tierwohl und der Forderung nach Nachhaltigkeit. Ein Beispiel: Es ist sicherlich nicht im Interesse der Nachhaltigkeit, die männlichen Hühner einer Legehennenlinie aufzuziehen, da dies zu einer geringeren Futtermitteleffizienz führen würde als bei der Aufzucht eines Masthuhns. Im Sinne des Tierschutzes ist die Aufzucht des so genannten „Bruderhahns“ sehr sinnvoll, um die Tötung neugeborener männlicher Küken zu vermeiden.

Umsetzung der Nachhaltigkeit in Zuchtstrategien

Als modernes, zukunftsorientiertes globales Zuchtunternehmen, das sich der kontinuierlichen Verbesserung und Optimierung verschrieben hat, steht PIC in Sachen Nachhaltigkeit an vorderster Front. Dr. Craig Lewis, Leiter des Genetic Services Team in Europa bei PIC und Vorsitzender des Lenkungsausschusses des European Forum of Farm Animal Breeders (EFFAB), setzt Nachhaltigkeitsziele in den Zuchtstrategien um. Dementsprechend ist PIC auch Unterzeichner des Code EFABAR. Dabei handelt es sich um einen freiwilligen Kodex, der von internationalen Experten aus Wissenschaft, Industrie und Sozioökonomie zur Umsetzung von Nachhaltigkeit in der Tierzucht entwickelt wurde. Kurz gesagt, konzentriert sich dieser freiwillige Kodex auf Tiergesundheit und Tierschutz, Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz, Ressourceneffizienz und die Verringerung der Umweltauswirkungen bei gleichzeitiger Wahrung der Produktqualität.

„Eine effiziente Futterverwertung und Produktqualität sind ebenso wichtig wie die allgemeine Widerstandsfähigkeit der Tiere. Beides wird in den Zuchtzielen bei PIC umgesetzt. Neben der Aufrechterhaltung der Tiergesundheit, auch im Sinne der Biosicherheit, durch ein eigenes Tiergesundheitsteam, das auch den Kundenbetrieben jederzeit zur Verfügung steht, geht die PIC mit ihrem Forschungs- und Entwicklungsteam auch neue, zukunftsweisende Wege in Sachen Tiergesundheit. Ein Beispiel ist die erfolgreiche Zucht von Schweinen mit Resistenz gegen PRRSV. Auch die preisgekrönte FertiBoar-Technologie zur Identifizierung und Selektion von Ebern mit guter Spermaqualität ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Nachhaltigkeit“, nennt Craig Lewis einige Beispiele für die kontinuierliche Ausrichtung von PIC auf Nachhaltigkeit durch die konsequente Konzentration auf Ressourceneffizienz und Abfallvermeidung.

Dr. Craig Lewis, Genetic Service Manager PIC EMEAR, Vorsitzender des EFFAB-Lenkungsausschusses

Bei der Widerstandsfähigkeit geht es aber nicht mehr nur um Leistungsparameter und Gesundheit, sondern es wird auch verstärkt auf das Verhalten der Tiere geachtet. Im Gegensatz zu anderen domestizierten Tieren, wie z.B. Hunden, stand das Verhalten von Schweinen lange Zeit nicht so sehr im Interesse der genetischen Verbesserung, sondern lief eher nebenher. Um dies zu ändern, ist auch die Disziplin „Tierschutz und Verhalten“ inzwischen im Produktvalidierungsteam von PIC fest etabliert.

„Die Einbeziehung von Verhaltensmerkmalen in Zuchtziele und geschätzte Zuchtwerte ist wichtig, um die Widerstandsfähigkeit der Tiere und ihre emotionale Stabilität zu erhöhen. Gerade wenn wir über aktuelle Haltungsanforderungen wie das freie Abferkeln oder das Schwanzkupierverbot diskutieren, sollte ein modernes Zuchtunternehmen auch daran interessiert sein, Verhaltensaspekte gezielt zu berücksichtigen. PIC verfolgt einen wissenschaftlichen und damit objektiven und transparenten Ansatz. Das bedeutet, dass wir zunächst sicherstellen müssen, dass die gewünschten Verhaltensmerkmale auch korrekt gemessen werden. Derzeit laufen einige spannende Forschungsprojekte, zum Beispiel zur spezifischen Ursachenforschung (Pathogenese) bei der Entstehung von zwanghaftem Schwanzbeißen, aber auch zu erwünschten Verhaltensmerkmalen, wie positiven sozialen Eigenschaften und Spielverhalten.

Wir arbeiten auch an der effizienten Messung des Tierschutzes, um geeignete Tierschutzindikatoren in die Zuchtziele einbringen zu können.“ Laufende Forschungsprojekte, an denen PIC beteiligt ist, zeigen, dass die Wahl des richtigen Tieres zur Nachhaltigkeit beitragen kann, ohne die Tierschutzziele zu gefährden. Ziel ist es, mögliche Konflikte zwischen Ökonomie, Ökologie und Tierschutz besser zu quantifizieren und so das Optimum definieren zu können. Es tut sich also viel in den Zuchtbetrieben, auch wenn es naturgemäß bis zu fünf Jahre dauert, bis der genetische Fortschritt aus der Spitzenzucht die kommerzielle Ebene der Betriebe erreicht. Aber die PIC setzt alles daran, dass der wissenschaftliche Fortschritt auch in die Praxis umgesetzt wird.

Das wiederum bedeutet, dass die 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen [siehe auch Wikipedia: Ziele für nachhaltige Entwicklung – Wikipedia] direkt und indirekt auch im Unternehmen umgesetzt werden. Insbesondere ist es wichtig zu verstehen, dass es nicht um Gesundheit/Wohlbefinden des Menschen auf der einen und Gesundheit/Wohlbefinden des Tieres auf der anderen Seite geht, sondern dass es sich um ein ganzheitliches One Health/One Welfare-Konstrukt handelt, was sich beispielsweise auch in der Diskussion um weniger Antibiotikaeinsatz sowohl in der Tiermedizin und Tierhaltung als auch im Bereich der Humanmedizin zeigt.

Ana Granados Chapatte, EFFAB Direktor

„Die Tierzucht hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark und positiv entwickelt, um den ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen, aber die Tierzüchter haben keine lange Tradition in der Kommunikation über Zuchtpraktiken. Die Initiative Code EFABAR wurde 2005 ins Leben gerufen, um das Engagement der EFFAB-Mitglieder für eine nachhaltigere Zucht und Landwirtschaft aufzuzeigen. Der Code EFABAR ist das gemeinsame Instrument des Sektors, um mit politischen Entscheidungsträgern, Interessenvertretern und der Zivilgesellschaft einen Dialog über moderne und ausgewogene Tierzuchtprogramme zu führen, in denen Tiergesundheit und -wohlbefinden sowie Eigenschaften im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung gewonnen haben.“

Als Verpflichtung zu einer verantwortungsvollen und ausgewogenen Zucht übernehmen die EFFAB-Mitglieder den Code EFABAR, den Kodex für gute Praxis in der Tierzucht. Der Kodex stützt sich auf sechs Säulen, von der Tiergesundheit und dem Tierschutz bis zur Lebensmittelsicherheit, und erkennt die zentrale Rolle der Nachhaltigkeit bei der Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit an.

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