Qualitätsferkel produzieren: Fokusthema Gesundheit

Wer mag es nicht, durch ein Abferkelabteil zu gehen und große, gesunde Würfe von gleichmäßig entwickelten Ferkeln zu sehen? Jedes Ferkel ist aktiv und satt, hat klare Augen und keine Anzeichen von Krankheiten. Landwirte und Tierärzte wissen, dass diese Ferkel die besten Chancen haben, ein hochwertiges Absetzferkel zu werden.

Jedes Ferkel, das geboren wird wird, sollte die Möglichkeit haben, ein hochwertiges Absetzferkel zu werden. Dies kontinuierlich zu schaffen, passiert nicht einfach so. Es erfordert ein gutes Management seitens des Landwirts bzw. der Mitarbeiter. Es braucht Schweine, die gesund und wirtschaftlich sind, das richtige Alter und Gewicht haben und insgesamt eine gleichmäßig gute Leistung zeigen. Wenn nur eine Komponente fehlt, kann sich das negativ auf die anderen auswirken.

Eine gute Gesundheit ist einer der wichtigsten Faktoren, die ein Qualitätsferkel aufweisen muss, sagt Perry Harms, DVM, North American Health Assurance Director bei PIC. Vier Bereiche haben wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit eines Ferkels: Genetik, Management, Gesundheit der Herde und Ernährung.

Genetik

„Die Genetik bildet die Grundlage für das Potenzial der Schweine“, sagt Dr. Harms. „Wir berücksichtigen bei unseren genetischen Entscheidzungen alle Abschnitte im Leben des Schweins.“

Das Absetzgewicht wird stark von der Genetik beeinflusst.

„Das Absetzgewicht hängt von zwei Faktoren ab: von der Milchleistung der Sau und von der Fähigkeit des Ferkels, aktiv zu saugen und die Sau zu einer höheren Milchproduktion anzuregen“, sagt er. „Alles, was die Grundlage für die Lebensfähigkeit und Vitalität der Ferkel sowie die Milchleistung der Sau schafft, kann das Absetzgewicht erheblich verbessern“, erläutert er.

Die Robustheit der Sauen ist ausschlaggebend für die Remontierungsrate sowie die Altersstruktur der Herde und wirkt sich auf die Stabilität der Herdengesundheit und die Leistung der Ferkel bzw. Läufer in ihren ersten Lebensmonaten aus. Weitere Faktoren, die von der Genetik beeinflusst werden, sind die Überlebensfähigkeit bis zum Absetzen, das Geburtsgewicht, die Anzahl der Striche und die Milchleistung der Sau.

„Diese Merkmale sind entscheidend für die kontinuierliche Erzeugung qualitativ hochwertiger Absetzferkel“, fügt Dr. Harms hinzu. „Die Genetik trägt zur Gesundheit eines Qualitätsabsetzferkels bei, indem sie die Robustheit sowohl der Sau als auch des Ferkels verbessert.“

Management

Das Timing ist entscheidend, wenn es um das Ferkelmanagement geht.

„Es ist wichtig, dass Umwelt, Temperatur und Management für die Ferkel passen. Damit helfen Sie, dass der Darm vorbereitet und mit den gewünschten Mikroben besiedelt wird“, fügt Darin Madsen, DVM, Leitender Tierarzt bei JBS, hinzu.

Konzentrieren Sie sich auf zwei Bereiche, um das Potenzial für qualitativ hochwertige Absetzferkel zu optimieren: das Management im Abferkelstall und die Versorgung der Ferkel insbesondere am ersten Tag.

„Das Abferkelstallmanagement beginnt, bevor die Sauen eingestallt und die Ferkel geboren werden“, erklärt Dr. Harms. Das Abferkelstallmanagement umfasst:

  • Vorbereitung: Die Umgebung im Abferkelabteil muss für Sau und Ferkel passen. Achten Sie genau auf die Faktoren, die sich auf das Gesamtklima und auch das Mikroklima auswirken. Stellen Sie die Temperaturen ein und überwachen Sie diese, und minimieren Sie Zugluft, um sicherzustellen, dass die Ferkel warm bleiben.
  • Sauberkeit: Der Raum muss sauber und trocken und funktionsfähig sein, wenn die Sauen eingestallt werden. „Wir reinigen, desinfizieren und trocknen das Gebäude und das Abteil, bevor wir überhaupt die Tiere in den Stall bringen“, sagt Dr. Harms.
  • Wasser: Die Wasseraufnahme wirkt sich auf die Laktation aus. Überprüfen Sie, ob die Nippel gut funktionieren und die Durchflussmenge korrekt ist.

Auch die Betreuung der Schweine am Abferkeltag hat hohe Priorität.

„Die Betreuung am ersten Tag ist von entscheidender Bedeutung und sollte Teil der selbstverständlichen Aufgaben im Abferkelabteil sein – nicht nur ein nachträglicher Gedanke“, sagt Dr. Harms. „Hierzu zählt zum Beispiel die Unterstützung von Sau und Ferkeln bei Bedarf, damit die Ferkel in den ersten Minuten die besten Startchancen haben“, sagt Dr. Harms.

In diesen ersten Minuten sollten die Ferkel getrocknet, zur Wärmequelle gelegt werden und schnell Zugang zum Kolostrum der Sau haben.
„Diese Schritte versorgen die Ferkel mit einem Energieschub und liefern Antikörper, die für den Schutz vor Krankheiten entscheidend sind“, erklärt Dr. Harms.

Gesundheit

Gesunde Qualitätsferkel abzusetzen beginnt mit einer gesunden, stabilen Sauenherde. Wenn die Gesundheit des Sauenbestandes instabil ist, sinkt die Konzeptionsrate, die Saugferkelverlustesteigen und sowohl Geburtsgewichte als auch Wurfgröße werden negativ beeinflusst.
„Ein instabiler Sauenbestand bedeutet zusätzlichen Aufwand und infolgedessen können wir uns weniger intensiv um unsere eigentlichen täglichen Arbeiten kümmern. Die Sauen scheiden weiterhin Viren aus und geben diese an die Ferkel weiter. Wir sind damit beschäftigt, die daraus resultierenden Probleme zu managen, sowohl bei den Sauen als auch bei den Ferkeln. Es ist die Instabilität der Herde, die Probleme für den gesamten Betrieb schafft“, sagt Dr. Harms.

Laut Dr. Madsen ist die Gesundheit ein wichtiger Faktor bei der Erzeugung eines qualitativ hochwertigen Absetzferkels. Der Gesundheitsstatus der Herde, z.B. PRRS, können Absetzferkel beeinträchtigen, weil sie das Immunsystem der Schweine schwächen.
„Wenn PRRS im Bestand in einem instabilen Zustand ist, kann es das Immunsystem des Ferkels zu einem Zeitpunkt schädigen, an dem das Schwein sowieso besonders anfällig „, sagt Dr. Madsen. „Die Qualität der Schweine nimmt ab, und sie kommen einfach nicht mehr in Gang.“

„Wir wissen, dass Ferkel, die PRRS-Viren ausgesetzt sind, nicht nur während der Säugezeit negativ beeinflusst werden. Dies setzt sich in der Aufzucht weiter fort“, fügt Dr. Harms hinzu. „Die Auswirkungen halten an und sind ein wichtiger Faktor für die Qualität der Ferkel. Daher sind alle Maßnahmen, die wir ergreifen können, um den Bestand gegen wichtige Krankheitserreger wie PRRS zu stabilisieren, von entscheidender Bedeutung.“

„Wichtig ist auch, das Auftreten von Durchfall möglichst gering zu halten,“ sagt Dr. Madsen. „Wenn Ihr Bestand PRRS-negativ bzw. -stabil ist, Sie also dadurch keine instabile Herdengesundheit haben, so sind oftmals Darmkrankheiten die Achillesferse, die verhindern, dass Sie Qualitätsferkel in die Aufzucht einstallen können.“
„Wenn wir einerseits gut vorbeugen und andererseits notwendige Behandlungen sorgfältig durchführen, können wir bereits im Vorfeld Darmprobleme minimieren, und damit die Vorraussetzung für spätere Qualitätsferkel schaffen“, bemerkt er.

„Influenza kann ebenfalls die Produktion von Qualitätsferkeln negativ beeinflussen,“ sagt Dr. Montserrat Torremorell, DVM, Professorin für Veterinärmedizin an der Universität von Minnesota.

„Maßnahmen zur Biosicherheit sowie Impfungen sind nach wie vor die wichtigsten Mittel, um die Übertragung des Influenza-A-Virus bei Schweinen zu verhindern oder zu minimieren“, sagt sie.

Ein umfassendes Konzept zur Biosicherheit sollte

  • den Zutritt von Besuchern beschränken,
  • den Zutritt von Personen mit grippeähnlichen Symptomen verhindern,
  • Duschvorschriften beeinhalten, die für alle Personen gelten, die den Betrieb betreten,
  • Impfung der Mitarbeiters gegen die saisonale Grippe,
  • strenge Regeln für kranke Mitarbeiter beeinhalten.

„Außerdem sollte die Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung wie Mund-Nasenschutz, Augenschutz und Handschuhen ermöglicht werden“, sagt Dr. Torremorell.

Die Jungsauen-Eingliederung ist eine weitere wichtige Komponente für die Gesundheit der Sauenherde und der Ferkel.

„Bevor Remontierungstiere in den Stammbetrieb übernommen werden, sollten sie eine geeignete Quarantäne durchlaufen (und ggf. getestet werden). „, sagt Dr. Torremorell.

Sauenhalter müssen Impfungen und den richtigen Zeitpunkt, wann die Tiere der neuen Keimflora ausgesetzt werden, in Ihrem betriebsspezifischen Eingliederungsprotokoll berücksichtigen.
„Achten Sie auf die Einhaltung der Protokolle mit angemessenen Impfplänen, Akklimatisierung und Diagnoseverfahren, um das Vorhandensein und die Verbreitung von Krankheiten zu verstehen, bevor sie in den Sauenbetrieb gelangen“, sagt Dr. Harms. „Sauen und Jungsauen mit guter Immunität geben den Schutz an ihre Ferkel weiter und verbessern so die Ferkelqualität.“

Durchdachte Abläufe im Abferkelstall helfen, die Weiterverbeitung von Krankheiten innerhalb des Abteils, zwischen den Abteilen und im gesamten Bestand zu verhindern. Und gute Biosicherheit-Maßnahmen helfen, die Übertragung zwischen Betriebsteilen zu verhindern.
„Arbeiten Sie bei der (Erst-)Versorgung der Würfe effizient und effektiv, um Infektionen zu minimieren“, sagt Dr. Harms. „Seien Sie rechtzeitig und gezielt bei der Identifizierung und Behandlung einzelner Schweine. Führen Sie die erforderlichen diagnostischen Untersuchungen durch, um sicherzustellen, dass Sie die richtigen Maßnahmen ergreifen und die richtigen Mittel einsetzen.“

„Ferkelversetzen ist ein gängiges Managementinstrument, kann aber auch Schwierigkeiten mit sich bringen, sagt Dr. Harms.
„Bei einem Krankheitsausbruch wird das Ferkelversetzen oftmals als Erstes eingestellt, das es zur Krankheitsübertragung beiträgt. „, sagt er. „Eine übermäßiges Ferkelversetzen kann zu Problemen führen, nicht nur im Abferkelstall, sondern auch für die spätere Leistung.“
„Wir müssen jedoch ein Gleichgewicht im Auge behalten“, fügt Dr. Harms hinzu. „Es gibt einzelne Ferkel und einzelne Würfe, die von gezieltem Ferkelversetzen profitieren.“

Alles zusammengenommen

Um Qualitätsferkel abzusetzen, muss man wichtige Details beachten und alle Teile zusammenfügen.
„Viele Faktoren spielen eine Rolle“, sagt Dr. Madsen. „Diese Faktoren sind miteinander verflochten. Es kommt darauf an, dass alle an einem Strang ziehen und verstehen, was wir als Team tun müssen, um das Beste für das Tier zu erreichen. Das Ergebnis ist eine gesunde Sauenherde und mehr gesunde, qualitativ hochwertige Absetzferkel.“

Wenn Sie mehr erfahren möchten, wenden Sie sich an Ihr PIC-Team!

Der Artikel stammt von JoAnn Alumbaugh und wurde ursprünglich in Farm Journal’s Pork, USA, veröffentlicht.